| 20:48 Uhr

Finanzskandal beim Landessportverband
Kein Auftritt von Hans im Innenausschuss

Der Mann, über den alle reden: Der freigestellte LSVS-Geschäftsführer Paul Hans sollte am Donnerstag im Landtag zum Finanzskandal angehört werden. Doch er muss sich weiter an seine Schweigepflicht halten.
Der Mann, über den alle reden: Der freigestellte LSVS-Geschäftsführer Paul Hans sollte am Donnerstag im Landtag zum Finanzskandal angehört werden. Doch er muss sich weiter an seine Schweigepflicht halten.
Saarbrücken. Der Anwalt des freigestellten LSVS-Hauptgeschäftsführers kritisiert das Präsidium des Landessportverbandes. Von Tobias Fuchs und Nora Ernst

Paul Hans bleibt das Phantom im Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland (LSVS). Die Landtagsfraktion der Linken hatte den freigestellten LSVS-Hauptgeschäftsführer zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. Am Donnerstag sollte er im Innen- und Sportausschuss „zur finanziellen Fehlentwicklung des Verbandes und zu den Ursachen dafür“ befragt werden. So steht es im Kalender des Parlaments. Doch Hans wird nicht vor den Abgeordneten und der Presse erscheinen.



In der vorletzten Woche hatte der Ausschuss sich von LSVS-Präsident Klaus Meiser über den Skandal unterrichten lassen. Nun wollte die Opposition nicht über Hans sprechen, sondern mit ihm. Er war von Meiser wiederholt als Alleinverantwortlicher präsentiert worden. „Die Öffentlichkeit hat das Recht, auch die andere Seite zu hören“, findet der Linkenpolitiker Dennis Lander. Gestern sagte ihm Hans-Jürgen Gebhardt, der Anwalt von Hans, „vorerst“ ab. Sein Mandant liegt im Krankenhaus. Würde Hans einer erneuten Einladung folgen? „Das werden wir dann entscheiden“, sagt Gebhardt. Fest steht: Der Sportverband hat seinen langjährigen Angestellten bisher nicht von der Schweigepflicht entbunden. Genau das schien LSVS-Chef Meiser in Aussicht gestellt zu haben. „Hans soll sich gerne äußern, aber er soll sich richtig äußern“, hatte Meiser im Landtag gesagt. Zuvor war der LSVS in die Kritik geraten, weil er Hans untersagt hatte, öffentlich die Vorwürfe gegen ihn zu kommentieren.

Sein Arbeitgeber wirft Hans vor, das Haushaltsloch beim Dachverband des Saarsports verschleiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Untreue, genauer: der Haushaltsuntreue. Am vergangenen Freitag bezog Anwalt Gebhardt gegenüber der Behörde schriftlich Stellung. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert der Strafverteidiger seine Sicht des Skandals. Was er sagt, könnte auch das LSVS-Präsidium in Bedrängnis bringen. Noch immer steht die Frage nach seiner Verantwortung im Raum. Gebhardt zufolge soll die Führung um Meiser den Wirtschaftsplan der Hermann-Neuberger-Sportschule gekannt haben. Ein „systematischer Planungsfehler“ in diesem Zahlenwerk war laut LSVS die Ursache für ein Defizit, das sich auf mutmaßlich fünf Millionen Euro summierte.

„Für mich ist klar, dass ein Planungsfehler vorlag“, meint Gebhardt. Er habe den Eindruck, dass sein Mandant überfordert gewesen sei. Hans soll einen jährlichen Zuschuss der Sportplanungskommission in Höhe von 550 000 Euro doppelt als Einnahme verbucht haben: im Wirtschaftsplan der Sportschule, aber auch im Gesamthaushalt des LSVS. Wie konnte es dazu kommen? „Paul Hans hat dieses System vorgefunden“, sagt Gebhardt über den Plan für die Sportschule. In diesem soll der Zuschuss als „Transferleistung“ einkalkuliert, mit dem Minus des Wirtschaftsbetriebs verrechnet worden sein. Gebhardt zufolge tauchte der Betrag dafür nicht als Einnahme im Haushalt auf. 2009 übernahm Hans die Geschäftsführung. Er plante das Geld im Jahresbudget ein. „Der Schritt, den er gemacht hat, war haushaltsrechtlich zulässig“, sagt der Verteidiger zwar. Trotzdem soll das der Fehler seines Mandanten gewesen sein. Weil er angeblich nicht sah, dass der Zuschuss bei der Sportschule bereits berücksichtigt worden war. Über Jahre fiel der Lapsus niemandem auf. Gebhardt meint, dass er hätte auffallen müssen: „Jeder Dumme sieht in den Jahresabschlüssen, dass da eine Unterdeckung ist“, erklärt er. Mit Vehemenz hinterfragt der Anwalt die Verteidigungslinie des LSVS-Präsidiums: Die Führungsriege behauptet, der Planungsfehler sei schwer zu finden gewesen. Auch deshalb, weil die Verantwortlichen keinen Einblick in den gesonderten Wirtschaftsplan der Sportschule gehabt hätten. Beidem widerspricht Gebhardt: „Ich habe den Fehler ohne Wirtschaftsstudium entdeckt, ohne jede Anleitung.“ Und falsch sei, dass der Wirtschaftsplan dem Präsidium nicht vorgelegen habe.

Mittlerweile hat auch Linkenpolitiker Lander erste Zahlen des LSVS erhalten. Der Verband stellte der Fraktion die Jahresabschlüsse 2008 bis 2014 zur Verfügung. Nach der Lektüre sagt Lander, mit Blick auf die ausgewiesenen Fehlbeträge: „Wir finden es fragwürdig, ob die alleinige Verantwortung bei Herrn Hans liegt.“ Auf der Landespressekonferenz gestern Mittag wird der Oppositionspolitiker nach einem Neuanfang beim LSVS gefragt: „Das Präsidium ist für den Haushalt zuständig und trägt somit zumindest eine Teilschuld“, antwortet Lander. Man solle aber die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten, erklärt er: „Dann kann man über personelle Konsequenzen reden.“