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NFL-Playoffs
Brady greift nach historischem Erfolg

Danny Amendola (links) und Quarterback Tom Brady von den New England Patriots bejubeln den Finaleinzug.
Danny Amendola (links) und Quarterback Tom Brady von den New England Patriots bejubeln den Finaleinzug. FOTO: David J. Phillip / dpa
Foxborough. Der Star-Quarterback führt die New England Patriots erneut in den Super Bowl. Gegner sind die Philadelphia Eagles.

Nach der nächsten verrückten Aufholjagd konnte sich Tom Brady vor Gratulanten kaum retten. Mitspieler, Trainer, Verantwortliche – alle stürmten auf den Star-Quarterback der New England Patriots zu und fielen ihm um den Hals. Brady, der schon jetzt als „Größter aller Zeiten“ gilt, hatte es wieder einmal geschafft: Beim 24:20 im Playoff-Halbfinale gegen die Jack­sonville Jaguars bog das Team einen Zehn-Punkte-Rückstand im letzten Viertel noch um und zog erneut in den Super Bowl ein.



Dort kann Brady am 4. Februar in Minneapolis im 52. Finale der Football-Profiliga NFL Geschichte schreiben. Der 40-Jährige hat schon fünf Titel gewonnen, mit dem sechsten wäre er alleiniger Rekordhalter. Gegen die Philadelphia Eagles sind die Patriots haushoher Favorit.

„Es ist verrückt und ein tolles Gefühl, in einem Team zu spielen, das derartige Spiele noch gewinnt“, sagte der 40-Jährige, der in zwei Wochen seinen achten Super Bowl erleben wird: „Wir haben uns durchgebissen. Die zweite Halbzeit war großartig, ich bin unglaublich stolz auf dieses Team.“ Ein Team, das zur Halbzeit 10:14 in Rückstand lag und klar unterlegen war.

In den Tagen vor der Partie hatte Brady noch um seinen Einsatz bangen müssen, nachdem er im Training eine Schnittverletzung an der rechten Hand erlitten hatte. „Ich hatte schon Schlimmeres. Es war eine verrückte Verletzung. Mittwoch, Donnerstag und Freitag war es ein bisschen beängstigend. Dann habe ich wieder Vertrauen gefasst, und heute haben wir gerade genug getan, um zu gewinnen“, sagte Brady, der mit zwölf Stichen genäht wurde.

Im Spiel war er dann dauerhaft unter Druck. Immer wieder rammten ihn die athletischen Defense-Spieler der Jaguars zu Boden, mit seinen Pässen fand er seine Mitspieler nur selten. Brady fluchte und haderte, er zerrte sich genervt den Helm vom Kopf und schrie seine Mitspieler an.



Doch Star-Trainer Bill Belichick und sein Superstar stellten um. Mit Erfolg. Wie schon im Super Bowl 51 im vergangenen Jahr, den die Patriots trotz hohen Rückstands gegen die Atlanta Falcons gewannen, nahmen sie die gefürchtete Abwehr der Jaguars in der Folge auseinander. Mit einem punktgenauen Pass auf Danny Amendola sorgte Brady 2:48 Minuten vor dem Ende für den entscheidenden Touchdown. „Ich wollte einfach nicht, dass die Saison auf diese Art endet. Jetzt wollen wir den letzten Schritt gehen“, sagte Brady.

Auch der sonst so kühle Belichick wurde emotional und klatschte wild in die Hände. „Wir alle wissen, dass Tom ein harter Hund ist. Doch nicht nur ihm gilt das Lob. Wir haben viele Jungs, die kämpfen und nie aufgeben. In den entscheidenden Momenten liefern sie ab“, jubelte er. Teambesitzer Robert Kraft rief den Fans zu: „Na, wie gut war Brady?“

So gut, dass es auch die Philadelphia Eagles registriert haben werden. Sie ließen durch ein 38:7 gegen die Minnesota Vikings den Traum der Wikinger vom Super Bowl im eigenen Stadion platzen und sind nun bereit für den ganz großen Wurf. Quarterback Nick Foles gelangen drei Touchdown-Pässe. „Wir alle vertrauen uns gegenseitig“, sagte der Spielmacher, der seit dem Kreuzbandriss von Carson Wentz Stammkraft ist. „Ich kann mich glücklich schätzen, so großartige Mitspieler und Trainer zu haben“, sagte Foles.

Eagles-Spieler Lane Johnson sendete bereits ein paar warme Worte an Brady: „Er ist der beste Quarterback der Geschichte. Es gäbe also nichts Schöneres, als diesen Kerl zu entthronen.“ Für die Eagles ist es die dritte Super-Bowl-Teilnahme der Vereinsgeschichte und die erste seit 2005. Damals hieß der Gegner ebenfalls New England, die Patriots um Brady, der seinerzeit schon dabei war, gewannen mit 24:21. Nun haben die Eagles Gelegenheit zur großen Revanche.