Jetzt drohen erste Gefahren

Jetzt drohen erste Gefahren

Der FC Bayern München hat zum 14. Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht. Ein glanzvoller Abend war es gegen den FC Arsenal nicht, vielmehr interessiert nun bereits der nächste Gegner im Viertelfinale.

Die Abwechslung für Uli Hoeneß fiel ungewohnt glanzlos aus. "Das Wie interessiert ab morgen keinen mehr. Wir sind weiter, nur das zählt", sagte Fußball-Nationalspieler Thomas Müller nach dem 1:1 (0:0) von Bayern München gegen den FC Arsenal gelassen. Der Bundesliga-Dominator lieferte am Dienstagabend im Achtelfinale der Champions League nach dem 2:0 im Hinspiel nicht die große Show, sein Zwischenziel auf dem Weg zur "Triple-Verteidigung" erreichte der FC Bayern trotzdem locker.

Der 14. Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse stand ganz im Zeichen von Hoeneß, der trotz seines Steuerprozesses in die Allianz Arena gekommen war. So zeigte etwa Torschütze Bastian Schweinsteiger mit einer eindeutigen Geste in Richtung Vip-Tribüne seine Unterstützung. Erst schlug er sich nach seinem Treffer (54. Minute) mit der Hand auf das Bayern-Emblem am Trikot, dann zeigte er mit dem Zeigefinger nach oben. "Ja, ich habe für Uli gejubelt", sagte der 29-Jährige.

Inwieweit der Präsident Freude am Spiel der Münchner hatte, ist nicht überliefert. Eine Tor-Gala wie zuletzt oft in der Liga gab es diesmal nicht zu bewundern. Doch das interessierte Trainer Pep Guardiola nur am Rande - zumal für Arsenal nur noch der Ausgleich durch Lukas Podolski (57.) heraussprang. "Wir haben intelligent gespielt. Nach dem 1:1 hatten wir für 15 Minuten ein paar Probleme, aber keine großen. Wir sind zufrieden", sagte Guardiola. Dass Müller in der Nachspielzeit einen Foulelfmeter fast peinlich verschoss - vergeben und vergessen.

Vielmehr war von Interesse, gegen wen die Bayern nun am 21. März in der Runde der letzten Acht gelost werden. Einen Wunschgegner gibt es laut Arjen Robben nicht: "Da stehen acht Top-Mannschaften." Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sieht ohnehin nur einen ernsthaften Gegner - Real Madrid: "Sie sind individuell so stark. Sie haben Ronaldo, Benzema und und und. Sie sind die Einzigen, die im Moment die Bayern gefährden können." Die Bayern könnten sich aber auch selbst gefährden, indem sie wie in der zweiten Hälfte "zu viele Fehler machen", wie Philipp Lahm einräumte - oder nicht besonders zielstrebig agieren. Da wurde der Ball immer wieder quer gespielt, anstatt abzuschließen.

Es droht aber auch aus einer anderen Richtung Ungemach. Noch herrscht angesichts der großen Konkurrenz im Münchner Luxus-Kader Ruhe. Doch Thomas Müller, der sich wie Toni Kroos, Rafinha oder Jerome Boateng diesmal zunächst auf der Bank wiederfand, deutete schon an, dass ihm diese Situation missfällt: "Es ist besser, dazu nichts zu sagen."Mesut Özil schlich wie ein Häuflein Elend in Richtung Bus - sein Kopf war gesenkt, die schmalen Schultern hingen nach unten, das verletzte Bein zog er leicht nach. Der 25-Jährige erlebte wieder einmal einen Abend zum Vergessen. Anstatt den FC Arsenal ins Viertelfinale der Champions League zu führen, musste sich Özil, teuerster Einkauf der Gunners-Vereinshistorie, nach dem 1:1 (0:0) bei Bayern München in England heftige Kritik gefallen lassen. "Özil sah verloren, faul und desinteressiert aus. Er mag 42,5 Millionen Pfund gekostet haben - aber er ist einen Scheißdreck wert", schrieb die Daily Mail.

Bereits zum vierten Mal in Folge war für die Londoner im Achtelfinale der Königsklasse Endstation. Özil war für 50 Millionen Euro von Real Madrid geholt worden, um genau dies zu verhindern. Aber der deutsche Fußball-Nationalspieler habe "gezeigt, dass er keiner für die großen Momente ist. Mann, war der schlecht", kritisierte The Telegraph die "personifizierte Gleichgültigkeit. Er taumelte wie benebelt herum".

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw war Özil wie schon im Hinspiel, aber auch in einigen anderen wichtigen Spielen der Saison, meilenweit hinter den hohen Erwartungen, aber auch seinen eigenen Ansprüchen zurückgeblieben. In dieser Form dürfte er auch für Löw auf dem Weg zum erhofften WM-Titel keine Hilfe sein. "Verschwenderisch im Passspiel, schlampig bei der Ballkontrolle, fortdauernd ineffektiv", schrieb The Mirror.

Zu allem Überfluss zog sich Özil, der mit nur 21 Ballkontakten zur Halbzeit ausgewechselt wurde, drei Monate vor WM-Beginn auch noch eine Oberschenkelverletzung zu. "Es sieht sehr ernst aus. Er fällt mindestens ein paar Wochen aus", sagte Teammanager Arsène Wenger.