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Ingrid ist die treibende Kraft

Ingrid ist die treibende Kraft

An diesem Samstag bestreiten die Footballer der Saarland Hurricanes ihr zweites Saisonspiel in der 1. Liga. Um 18 Uhr sind die Munich Cowboys im Ludwigspark zu Gast. Der neue Cheftrainer Al Molde hat den Hurricanes wieder Leben eingehaucht.

Nach 47 Jahren Ehe kennt ihn seine Frau Ingrid wohl am besten. Sie weiß genau, wie er tickt, weiß, wie sie ihn ablenken kann. Denn vor Spielen ist Al Molde, der neue Cheftrainer des Football-Bundesligisten Saarland Hurricanes, unglaublich nervös. So war es vor einer Woche vor dem Saisonauftakt gegen die Wiesbaden Phantoms (21:14), so ist es auch vor der zweiten Partie gegen die Munich Cowboys an diesem Samstag im Ludwigsparkstadion (18 Uhr).

"Ingrid ist unser Reise-Koordinator, das ist Teil unserer Abmachung, und es funktioniert ganz gut", sagt Molde. 47 Jahre dauert ihre gemeinsame Reise schon, und sie können es selbst kaum glauben. "So alt fühlen wir uns gar nicht", sagt Ingrid. Nach Deutschland brachten die beide praktisch nichts mit - nur ein I-Pad mit den Bildern ihrer vier Söhne und acht Enkel. Dabei waren sie der Grund, warum Molde im vergangenen Jahr in den Ruhestand wollte. "Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Enkelkindern verbringen", erklärt der 69-jährige US-Amerikaner.

Viel weiter weg hätten sie von ihrer Familie nicht wegziehen können. Doch die Entscheidung, für zwei Jahre bei den Saarland Hurricanes zu unterschreiben, fiel schnell. "Die einzige Sorge unserer Söhne war, dass sie jetzt nicht wissen, wo sie ihre Ferien verbringen sollen", scherzt Molde und zwinkert seiner Frau zu. Schnell erhärtet sich der Eindruck, dass sie die treibende Kraft war, nach Europa zu kommen.

"Al ist abenteuerlustig", sagt Ingrid, "und dafür bin ich so dankbar. Mich reizt nicht Bungee Jumping oder Fallschirmspringen, sondern andere Kulturen, fremde Sprachen und neue Menschen kennen lernen." Molde nickt zustimmend. Schon als sie geheiratet hätten, wollte seine Frau ins Ausland. Doch es ging eben nicht. Molde blieben als Football-Trainer ja nur die USA. Über 40 Jahre lang war er als Trainer oder Sportdirektor an College- oder Universitätsmannschaften in Dakota, Minnesota, Missouri, Illinois und Michigan tätig. Während Ingrid ihre Wünsche geduldig zurückstellte. Bis heute. "Das war mir immer klar", sagt Molde und lacht, "und jetzt zahle ich es zurück."

Und nicht nur das: Die beiden haben in den drei Monaten, die sie in Saarbrücken sind, keine Zeit verloren. Neben lokalen Zielen wie Saarbrücken, Mettlach, Saarlouis, die Saarschleife, Schloss Eltz oder die Burg Rheinfels waren die zwei auch auf Schloss Neuschwanstein, in München, Füssen, Nürnberg, Frankfurt, Brügge, Paris, Colmar oder zuletzt in Straßburg, kurz vor dem Saisonauftakt.

Eine große Herausforderung haben sie allerdings noch vor sich: die Reise zu ihren Wurzeln - in Chemnitz und in der Nähe von Bremen. Denn beide haben deutsche Großeltern. Das ist ein Teil ihres großen "Abenteuers", das Ingrid auf ihrem Blog im Internet regelmäßig aktualisiert. Es ist ihre Art, der Familie in den Staaten zu zeigen, wie die Reise verläuft. Al Moldes vier jüngere Brüder hätten diesen Schritt nie gemacht, sind sich beide sicher. Aber nach 47 Jahren weiß zumindest Ingrid, warum Al mitmacht: "Weil du mich geheiratet hast." Welch ein Segen für die Hurricanes, die ihre erfolgreichen Start, den viele im Verein auf Moldes Tun zurückführen, fortsetzen wollen.