Hacke, Spitze, 5:1

Wolfsburg. Die Spieler hilflos, der Trainer ratlos, die Führung sprachlos: Bayern München hat sich bei der peinlichen 1:5-Demütigung durch Felix Magaths VfL Wolfsburg weder titelwürdig noch reif für das Champions League-Viertelfinale am Mittwoch beim FC Barcelona präsentiert. "Das tut weh. Natürlich sind wir bedient

Wolfsburg. Die Spieler hilflos, der Trainer ratlos, die Führung sprachlos: Bayern München hat sich bei der peinlichen 1:5-Demütigung durch Felix Magaths VfL Wolfsburg weder titelwürdig noch reif für das Champions League-Viertelfinale am Mittwoch beim FC Barcelona präsentiert. "Das tut weh. Natürlich sind wir bedient. Es ist klar, dass die Stimmung alles andere als gut ist", gestand Trainer Jürgen Klinsmann nach der höchsten Bundesliga-Niederlage seit dem 26. Januar 2002 (1:5 gegen Schalke 04) unumwunden ein. Übel stieß beim Rekordmeister auf, dass Magath André Lenz für Stammtorhüter Diego Benaglio in der 89. Minute einwechselte. "Wenn der gegnerische Trainer den Torwart auswechselt, tut das weh", merkte Klinsmann an. "Ich finde das respektlos. In meinen Augen ist das eine Demütigung", sagte Kapitän Mark van Bommel.

Klinsmanns Vor-Vorgänger Magath strahlte hingegen übers ganze Gesicht. Die Demontage der Bayern dürfte dem starken Mann des VfL auch eine späte Genugtuung für die Entlassung an der Isar vor gut zwei Jahren trotz zweier Meisterschaften und Pokalsiege verschafft haben. Gekrönt wurde die "Wölfe"-Gala durch einen Treffer der Extraklasse. Vom 5:1 durch Grafite, der vor seinem 20. Saisontor vier Bayern inklusive Torhüter Michael Rensing austanzte und dann mit der Hacke in die linke Ecke traf, wird die Fußball-Welt noch lange sprechen.

Dabei hatte alles programmgemäß für den deutschen Rekordmeister begonnen. Auch ohne den gesperrten Martin Demichelis und den aus privaten Gründen frei gestellten Daniel van Buyten kontrollierte Bayern die Partie und zeigte nach dem Rückstand durch ein Kopfballtor von Christian Gentner (44.) die gewohnte Reaktion und glich durch Luca Tonis Rückkehr-Tor nach mehrwöchiger Verletzungspause postwendend aus.

Nach Wiederanpfiff kam es zum Desaster für die Bayern. Erst stellte Edin Dzeko (63./65.) mit seinen Saisontoren 14 und 15 die Weichen auf Sieg. Dann übernahm Grafite (74./77.) mit den Treffern 19 und 20 die alleinige Führung in der Torschützenliste. Das Spektakel animierte 30 000 prächtig gestimmte VfL-Anhänger zu Meisterschaftsgesängen.

Und Felix Magath - der gerät langsam in Erklärungsnot. Dem 55-Jährigen nimmt nach dem achten Sieg in Folge keiner mehr ab, weiter nur an einen Uefa-Cup-Platz zu denken. "Wir haben eine super zweite Halbzeit hingelegt, wie wir sie nicht oft spielen. Über die Meisterschaft brauchen wir noch nicht zu reden", befand Magath. Auf die Frage nach seinem Titel-Favoriten antwortete er: "Bayern München." dpa

 Schauten bedröppelt drein: Bayern-Manager Uli Hoeneß, links, und Jürgen Klinsmann.
Schauten bedröppelt drein: Bayern-Manager Uli Hoeneß, links, und Jürgen Klinsmann.