| 20:39 Uhr

Englischer Fußball
Eine unvergleichliche Dominanz

London . Manchester City blüht in zweiter Saison unter Trainer Pep Guardiola auf. Die Meisterschaft scheint Formsache zu sein.

Pep Guardiola bremste nach dem jüngsten Erfolg im Ligapokal bei Leicester City die Euphorie. „Das wird nicht passieren. Natürlich nicht“, entgegnete er auf die Frage, ob Manchester City in dieser Saison alle vier Titel gewinnen kann: „Mal ehrlich, das ist doch nicht real. Was wir gerade erleben, ist nicht real.“ Aber nach der großen Enttäuschung im vergangenen Jahr, seiner ersten Trainer-Saison ohne Titel, scheint in dieser Spielzeit alles möglich für Man City.


In nationalen Wettbewerben sind die Citizens um den deutschen Nationalspieler Leroy Sané seit 27 Spielen ungeschlagen. In der Premier League ist der Club souveräner Tabellenführer und hat nach 18 Spieltagen elf Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Lokalrivalen Manchester United. Bis auf ein 1:1 gegen den FC Everton gewann City jedes Spiel, zuletzt 16 Mal nacheinander. In Englands höchster Fußball-Liga ist das ein einmaliger Rekord. Topteams wie Liverpool (5:0) oder Tottenham Hotspur (4:1) wurden regelrecht vorgeführt. „Wie soll irgendjemand Manchester City aufhalten?“, fragte nicht nur BBC Sport.

Vielleicht so wie Schachtjor Donezk. Der Club aus der Ukraine brachte den Skyblues am Nikolaustag die erste Saisonniederlage bei und gewann zum Abschluss der Champions-League-Gruppenphase überraschend mit 2:1. Doch es war ein Muster ohne Wert. Zwar betonte Guardiola danach: „Wir sind hergekommen, um zu gewinnen.“ Doch weil seinem Team der erste Platz sicher war und am Sonntag drauf das wichtige Derby bei Man United anstand, hatte der 46-Jährige in Donezk eine B-Elf gebracht. Ähnlich wie am Dienstag in Leicester, als es aber im Elfmeterschießen doch reichte.



Das Manchester-Derby gewann City mit 2:1 und sorgte so womöglich für die Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft. „Im Dezember kann man nicht Meister werden“, reagierte der frühere Bayern-Trainer beinahe trotzig. Doch britische Medien sind schon länger davon überzeugt, dass der Spanier in dieser Saison die Liga gewinnt. „Dieses freilaufende Manchester City rollt in Richtung Premier-League-Titel“, schrieb die Zeitung „Guardian“. Auch der „Telegraph“ sieht einen „zielsicheren Marsch in Richtung dritte Meisterschaft“.

„Ich denke nicht über die Anzahl der Titel nach, ich denke nur über das nächste Spiel nach“, bedient Guardiola dagegen alte Fußballphrasen. Die Clubverantwortlichen blicken jedoch schon weiter. Nachdem vor genau einem Jahr erste Zweifel am Trainer aufkamen, träumen sie nun offenbar von einer langfristigen Ära mit dem Spanier. Laut britischen Medien streben sie eine vorzeitige Verlängerung des noch bis Sommer 2019 gültigen Vertrags um vier Jahre an.

City-Boss Ferran Soriano hält laut „Guardian“ sogar ein Jahrzehnt mit Guardiola für möglich, verbunden natürlich mit der Hoffnung, dass der Trainer auch in Zukunft so erfolgreich ist. Daran allerdings glaubt Guardiola nicht mal selbst. Das gab er nach dem Ligapokal-Abend klar zu verstehen: „16 oder 17 Liga-Spiele hintereinander zu gewinnen, in der Champions League vorzeitig weiterzukommen und jetzt hier mit so vielen jungen Spielern zu gewinnen, das ist doch nicht normal.“ Aber ein bisschen System und Können steckt doch dahinter, da konnte sich Guardiola ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.