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Eine Siegprämie ist ausgehandeltMichael Rensing macht die Torwart-Frage wieder spannend

Eine Siegprämie ist ausgehandeltMichael Rensing macht die Torwart-Frage wieder spannend

Neckarelz. Die Wurst im Brötchen bei Metzger Sauer heißt jetzt "Pokalknacker". Bäcker Mayer verkauft Fußballer aus Hefeteig. Die Mannschaft gibt im örtlichen Supermarkt eine Autogrammstunde in Profi-Manier. Und die Freundin eines Spielers will sich nackt fotografieren lassen, wenn der Coup gelingt. Vor dem Erstrunden-Hit der Spvgg

Neckarelz. Die Wurst im Brötchen bei Metzger Sauer heißt jetzt "Pokalknacker". Bäcker Mayer verkauft Fußballer aus Hefeteig. Die Mannschaft gibt im örtlichen Supermarkt eine Autogrammstunde in Profi-Manier. Und die Freundin eines Spielers will sich nackt fotografieren lassen, wenn der Coup gelingt. Vor dem Erstrunden-Hit der Spvgg. Neckarelz gegen Rekordmeister FC Bayern München treibt das Pokalfieber in der 6500-Einwohner-Gemeinde zwischen Heidelberg und Heilbronn seltsame Blüten. Doch trotz allen Hypes um die Begegnung am Sonntag (17.30 Uhr) in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena haben die Feierabend-Kicker offenbar einen kühlen Kopf bewahrt. Mit Clubchef Thomas Ulmer verhandelten sie in dieser Woche sogar über eine Siegprämie. Die Höhe ist nicht bekannt.

Für Ulmer, der dem Verein seit 24 Jahren vorsteht und ihn sein "Lebenswerk" nennt, steht bei dem ewig jungen Duell zwischen Provinz- und Profi-Kickern die Hoffnung auf eine sportliche Sensation eher im Hintergrund. "Das Erlebnis ist wichtiger als das Ergebnis", sagt der 52 Jahre alte Europa-Abgeordnete. Hoffnung, dass der Favorit den Außenseiter unterschätzt, hat er nicht. Schließlich standen mehrfach Spione bei Partien des Neckar-Odenwald-Clubs am Spielfeldrand. "Die Bayern überlassen nichts dem Zufall", sagt demnach Trainer Peter Hogen.

Doch auch wenn die sechstklassigen Nobodies gegen die Millionen-Stars Gomez & Co. eigentlich keine Chance haben, macht Hogen seinen Jungs Mut. "Wir wollen engagiert und ohne Angst auftreten, auch mal Aktionen in der Offensive durchbringen", kündigt er an. Tipps hat er sich von seinem Bundesliga-Kollegen Ralf Rangnick (1899 Hoffenheim) geholt.

Auch das Drumherum für das Spiel des Jahres ist so aufwendig organisiert wie noch nie. Mit Assistent Stefan Strerath und Kapitän Rolf Lang beobachtete Hogen den Gegner beim 4:1-Testspielsieg gegen den AC Mailand. Und sein Team stimmt sich in Manier eines Bundesligisten auf den großen Tag ein: Am Samstag steigen die Neckarelzer erstmals in der Vereinsgeschichte vor einem Spiel in einem Hotel ab. Von dort geht es am Sonntag mit dem Bus in die Katakomben der mit gut 30 000 Fans ausverkauften Arena. Normalerweise trifft man sich zwei Stunden vor dem Spiel, zu Auswärtspartien wird in Fahrgemeinschaften gereist.

Ulmer hingegen behält seine Gewohnheit bei: In bester Hoeneß-Manier sitzt er bei Spielen seit jeher auf der Trainerbank. "Das wird auch im größten Spiel der Vereinsgeschichte so sein", betont Ulmer.

Auch etwas Aberglaube wurde bemüht. Am vorigen Wochenende bezog Hogen mit seinen Jungs für ein Trainingslager Quartier im Gasthaus Engel im nahe gelegenen Krumbach - genau dort, wo sich 1990 der FV 09 Weinheim auf sein Pokalspiel gegen die Bayern vorbereitete. Weinheim siegte damals durch Thomas Schwechheimers Tor mit 1:0.

Doch wie groß das Brimborium auch sein mag, nach dem Höhepunkt geht der Alltag in der Verbandsliga Nordbaden weiter. Ziel ist der baldige Aufstieg in die Oberliga. "Und mein Traum", so Ulmer, "heißt Regionalliga". Den Gewinn aus dem Pokal-Hit von bis zu 300 000 Euro will er darum gezielt in Mannschaft, Jugendarbeit und Infrastruktur investieren. Nur einen kleinen Betrag hat er schon vorab ausgegeben: Dafür, dass sie als Glücksfee das Traum-Los gezogen hat, erhielt Ex-Nationalspielerin Renate Lingor einen Blumenstrauß.München. Michael Rensing rettete den Turniersieg im Finale gegen Manchester United, Jörg Butt sah am Vortag gegen den AC Mailand nicht gut aus. Nach der Generalprobe gegen Europas Topclubs ist nicht nur Oliver Kahn gespannt, wer am Sonntag im DFB-Pokalspiel gegen Provinzclub Neckarelz im Tor des FC Bayern steht. "Es sah oder sieht so aus, als ob sich Louis van Gaal irgendwo schon ein wenig auf Butt festlegt hat. Aber Michael hat gezeigt: Ich bin da, so leicht kriegt man mich nicht unter. Die Torwartfrage bleibt interessant", sagte Kahn nach dem 7:6 der Münchner im Elfmeterschießen.

Zwei Mal parierte der 25-jährige Rensing gegen ManU-Schützen, davor war er auch in den 90 Minuten nicht zu überwinden und betrieb mächtig Eigenwerbung. "Ich denke, dass wir einen Tag vor dem Pokalspiel beim Abschlusstraining am Samstag wissen, wer im Tor ist", sagte der zum "Spieler des Spiels" gekürte Rensing. "Es war wichtig, dass so ein Glücksmoment kommt. So ein Aha-Erlebnis, das das Selbstvertrauen steigert." Der Keeper, der am Sonntag im DFB-Pokal zwischen den Pfosten steht, wird wohl auch zum Liga-Start eine Woche später gegen Hoffenheim das Tor hüten.

Erstmals seit anderthalb Jahrzehnten ist die Torwart-Frage bei dem Club, bei dem herausragende Figuren wie Sepp Maier, Jean-Marie Pfaff oder Kahn die Teams prägten und auch Toni Schumacher im Spätherbst seiner Karriere noch einmal ein Kurz-Gastspiel gab, wieder offen. "Ich habe noch über viele Positionen nicht entschieden - auch nicht über die Torwartposition", sagte Trainer Louis van Gaal, für den die Frage, ob Rensing Pluspunkte gesammelt habe, "eine rhetorische" war. Dabei steht seine Wunschformation größtenteils. Offen ist jedoch definitiv die grundlegende Festlegung auf den Stammtorwart. "Ich bin mit mir selbst im Reinen und versuche umzusetzen, was der Trainer haben möchte. Die Entscheidung liegt jetzt bei ihm", sagte Rensing. Der 35-jährige Butt meinte betont zurückhaltend: "Wer die Nummer eins wird, da mache ich mir nicht so viele Gedanken. Das wird der Trainer beantworten." Spätestens am Sonntag.dpa

"Wir wollen engagiert und ohne Angst auftreten."

Peter Hogen,

Trainer der

Spvgg. Neckarelz