1. Sport
  2. Saar-Sport

Die zwei Gesichter des Luis Suárez

Die zwei Gesichter des Luis Suárez

Luis Suárez wird in Uruguay nach seinen Toren beim 2:1 gegen England verehrt. Auf der Insel und in vielen anderen Ländern schlägt dem 27-Jährigen blanker Hass entgegen. Suárez ist kein Kind von Traurigkeit.

Da war er wieder, der Dr. Jekyll in Luis Suárez. Der Strahlemann, den alle mögen, der Torjäger, der in Uruguay als Heiliger verehrt wird. Zwei Tore im WM-Spiel gegen England (2:1), wer will da schon an die andere Seite des 27-Jährigen erinnern. Doch es gibt auch den Mr. Hyde in Luis Suárez. In England wissen sie das.

"Von allen Spielern musste es ausgerechnet dieser dreckige, rassistische Betrüger sein", erklärte Ian Austin nach den Toren. Der 49-Jährige ist immerhin Mitglied des britischen Parlaments für die Labour-Partei. Sänger Frankie Cocozza, Teilnehmer der TV-Show "The X-Factor", schrieb gar, er hoffe, dass Suárez "in den Mund geschossen" werde. Später relativierte er: "Der Fuß reicht auch."

Woher kommt all der Hass? "Kannibale von Ajax" wurde Suárez schon früh genannt. Während seiner Zeit in Amsterdam (2007 bis 2011) hatte er einem Gegenspieler in die Schulter gebissen und wurde für sieben Spiele gesperrt. Beim FC Liverpool wurde es nicht besser. 2013 schlug der "Vampir" erneut zu, diesmal erwischte es Branislav Ivanovic vom FC Chelsea. Die Wunde war kaum zu übersehen.

Und so ging es munter weiter. 2011 beleidigte Suárez den dunkelhäutigen Patrice Evra von Manchester United rassistisch und wurde gesperrt. Ein Jahr später verweigerte er Evra vor einem Ligaspiel den Handschlag, die Liga war empört. Suárez sei "eine Schande für Liverpool ", sagte der damalige Trainer von Manchester United , Alex Ferguson .

In Ghana ist Suárez, der noch sechs Brüder hat, spätestens seit der WM 2010 ein rotes Tuch. Damals verhinderte er in der 120. Minute des Viertelfinals mit einem Handspiel auf der Linie den Siegtreffer der Afrikaner. Suárez sah Rot, den fälligen Elfmeter vergab Asamoah Gyan , Ghana verlor im Elfmeterschießen. "Das war die beste Parade des Turniers", sagte Suárez anschließend wenig einfühlsam.

Und jetzt, vier Jahre später, ist das alles vergessen? "Luis hat sich verändert, er hat sich entwickelt", sagte Nationaltrainer Oscar Tabarez, als er nach dem Doppelpack auf die Wandlung seines Schützlings angesprochen wurde. Ganz falsch ist das nicht. "Unglaubliche Saison für Liverpool ", titelte das englische Magazin "When Saturday Comes" im Mai gewohnt ironisch. Darunter war Suárez zu sehen und eine Sprechblase mit den Worten: "Ich bin gar nicht gesperrt worden."

Stattdessen traf der Südamerikaner, wie er wollte, schoss den Traditionsverein mit 31 Toren beinahe zum Titel und wurde zum Spieler der Saison gewählt. Geliebt wird er deswegen auf der Insel aber noch immer nicht. Erst recht nicht nach den Treffern gegen die Engländer, die für das Mutterland des Fußballs das WM-Aus bedeuteten. Die Folge war ein Sturm der Entrüstung im Internet, der in England auch vor Politikern und Showstars nicht Halt machte. In Uruguay dagegen gilt Suárez spätestens jetzt als Heilsbringer - und wenn er seine Mannschaft heute ins Achtelfinale schießt (18 Uhr/ZDF ) und damit die Italiener nach Hause schickt, erst recht. "Ihr könnt mir glauben", sagte Trainer Tabarez: "Luis ist ein anderer Mensch geworden."

Zum Thema:

Auf einen BlickItaliens Kapitän Gianluigi Buffon geht optimistisch in das entscheidende letzte WM-Vorrundenspiel gegen Uruguay . "Es ist wie ein Achtelfinale mit zwei von drei möglichen Ergebnissen, die uns reichen. Das ist nicht so schlecht", sagte der 36-Jährige. In der letzten Partie benötigen die Italiener mindestens ein Remis, um das Achtelfinale zu erreichen. "Wir brauchen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf", forderte Buffon: "Wir dürfen nicht das Vertrauen in uns verlieren." Ein Aus in der Vorrunde wäre für den viermaligen Weltmeister eine Katastrophe, gab Buffon zu: "Das wäre auch eine persönliche Enttäuschung." dpa