Der Partyschreck hat noch nicht genug

Der Partyschreck hat noch nicht genug

Während die Engländer um Wayne Rooney nach dem abschließenden Vorrundenspiel heute in den Urlaub fliegen, steht Costa Rica im Achtelfinale. Jetzt träumt die Truppe ohne Stars von weiteren Großtaten.

3:1 gegen Uruguay , 1:0 gegen Italien - die Fans in der Heimat rasten aus, die Fußball-Welt ist erschüttert. Und die "Ticos" aus Costa Rica legen nach ihrem erstaunlichen WM-Start endgültig jede Zurückhaltung ab. "Ich kann nicht sagen, wo unsere Grenze liegt - weil ich es nicht weiß", sagt etwa Celso Borges vor der Partie gegen die längst gescheiterte ehemalige Großmacht England (heute, 18 Uhr).

Während die Briten mit ihren Stars Wayne Rooney oder Steven Gerrard , die nicht mehr eingesetzt werden, nach der Partie in den Urlaub fliegen, strebt die namenlose Truppe von Trainer Jorge Luis Pinto für das Achtelfinale weitere Großtaten an. "Wir haben Geschichte wiederholt, aber jetzt wollen wir uns endgültig verewigen. Darum geht es", sagt Borges, der quirlige Mittelfeldakteur von AIK Stockholm. Schon einmal stand Costa Rica unter den besten 16 Fußball-Nationen dieser Welt - vor 24 Jahren in Italien. Die Presse feierte damals das "Wunder von Genua", der Vater von Borges war dabei. Diesmal soll aber nicht in der nächsten Runde Schluss sein, wie damals gegen die ehemalige Tschechoslowakei (1:4). "Wir werden alles geben, um unseren Fans eine unauslöschliche Erinnerung zu verschaffen", sagt Borges.

Die Begeisterung in Costa Rica , das kaum größer ist als Niedersachsen, rund um die neuen Helden könnte größer kaum sein. Nach den zwei Siegen verwandelten Tausende Fans die Hauptstadt San José in ein rot-weiß-blaues Farbenmeer und brachten den Verkehr zum Erliegen, die Kirchenglocken läuteten. "Niemand hätte vorher auch nur einen Dollar auf uns gesetzt", sagt Stürmer Joel Campbell.

Costa Rica kann es sich gegen England , dem dritten Ex-Weltmeister in dieser Gruppe neben Italien und Uruguay , erlauben, Spieler für das Achtelfinale zu schonen - was für eine Schmach für die Trümmer-Truppe von der Insel. "Es wird ein paar Veränderungen geben", sagt Trainer Pinto, der eine unangenehme und aggressive Mannschaft für Brasilien zusammengestellt hat. Spieler wie die Angreifer Campbell, Bryan Ruiz oder Abwehrkante Oscar Duarte waren vor dem Turnier nur einigen Experten bekannt. Aber sie sind schnell, hungrig, diszipliniert und in körperlicher Top-Form - Italien und Uruguay wurden förmlich überrannt. Keine guten Aussichten für die angeschlagenen Engländer. Und im Gegensatz zu Rooney und Co. strotzen die Costa Ricaner nur so vor Selbstvertrauen. "Wir sind noch nicht fertig", sagt Trainer Pinto: "Wir werden noch drei, vier Spiele hier haben. Da bin ich mir hundertprozentig sicher."