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Der lange Ritt zurück in die Normalität

Der lange Ritt zurück in die Normalität

Marl. Die Sperre ist längst abgelaufen, aber die Folgen des Dopingfalls wirken noch immer nach. Bundestrainer Otto Becker hat die Arme für Christian Ahlmann weit ausgebreitet, er will den hoch talentierten Springreiter zurückgewinnen für die Nationalmannschaft. Ahlmann zögert jedoch, die Unterschrift unter die Athletenvereinbarung hat er immer noch nicht geleistet

Marl. Die Sperre ist längst abgelaufen, aber die Folgen des Dopingfalls wirken noch immer nach. Bundestrainer Otto Becker hat die Arme für Christian Ahlmann weit ausgebreitet, er will den hoch talentierten Springreiter zurückgewinnen für die Nationalmannschaft. Ahlmann zögert jedoch, die Unterschrift unter die Athletenvereinbarung hat er immer noch nicht geleistet. "Ich würde mich sehr freuen, wenn er wieder dabei wäre", sagte der Bundestrainer: "Aber er muss den letzten Schritt machen."

Enttäuscht vom Verband

Ahlmann ist vorsichtig geworden, wirkt zuweilen fast misstrauisch. Er will Fehler vermeiden. Seit vier Monaten wartet der Bundestrainer auf das endgültige Okay der Reiters, der zunächst die Vereinbarung für eine Rückkehr ins Nationalteam unterschreiben muss. Grundsätzliche Bereitschaft hatte Ahlmann bereits im August geäußert, kurz nachdem die Sperre des deutschen Verbandes abgelaufen war.

Die Vorgeschichte von 2008 belastet Ahlmann noch immer. Capsaicin hatten die Doping-Kontrolleure bei seinem Olympia-Pferd Cöster gefunden. Der Weltverband hatte auf verbotene Medikation und viereinhalb Monate Sperre entschieden, der Sportgerichtshof CAS befand nach dem Einspruch des deutschen Verbandes FN jedoch, dass es Doping war und erhöhte auf acht Monate. Zudem sperrte die FN den Reiter zwei Jahre lang fürs Nationalteam. "Das hat weh getan", sagte der 35-Jährige zum Vorgehen des eigenen Verbandes.

Der Weg zurück in die Normalität ist kein leichter, trotz mehrerer Erfolge des Doppel-Europameisters von 2003. Bei den deutschen Meisterschaften belegte er den zweiten Platz und gewann beim Auftakt der Weltcup-Saison die ersten beiden Stationen in Oslo und Helsinki. Doch in Oslo erlebte er auch einen Schock: Als er am Mittag in den Stall kam, war sein Pferd Calvados tot. "Plötzlicher Herztod" lautete die niederschmetternde Diagnose.

Bestes Pferd ist tot

"Ich bin ihn morgens noch geritten, da war alles in Ordnung", berichtete der Reiter. Der neunjährige Calvados war für ihn das Pferd der Zukunft, für den Bundestrainer ein Kandidat für die EM im kommenden Jahr: "Er war ein Supertalent. Das hat er mehr als bestätigt."

Wenig Stunden nach dem Tod seines besten Pferdes gewann Ahlmann das Hauptspringen mit Taloubet, konnte sich aber nicht darüber freuen. "So kann man es nicht genießen", sagte Ahlmann. Es sei emotional ein schwerer Schlag gewesen und sportlich ein großer Verlust. Unter den knapp 50 Turnierpferden auf seiner Anlage in Marl sei keines so talentiert wie Calvados es war. Aber Ahlmann gibt nicht auf: "Ich habe gelernt, nach vorne zu schauen." dpa