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Der erste Matchball

Saarlouis. "Irgendwie ist doch alles eine Frage des Standpunktes." Selbst vor Eigenschaften wie Geduld machen solche Relativierungen nicht halt. Mal ist sie eine Tugend, mal reiner Luxus. Eben abhängig von der Rolle dessen, der sie aufbringen muss. Bei der HG Saarlouis war Geduld über weite Strecken der Saison eine Tugend Von SZ-Mitarbeiter Janek Böffel

Saarlouis. "Irgendwie ist doch alles eine Frage des Standpunktes." Selbst vor Eigenschaften wie Geduld machen solche Relativierungen nicht halt. Mal ist sie eine Tugend, mal reiner Luxus. Eben abhängig von der Rolle dessen, der sie aufbringen muss. Bei der HG Saarlouis war Geduld über weite Strecken der Saison eine Tugend. Allerdings nur so lange, wie die HGS sich mit dem Platz zwei in der Handball-Regionalliga Südwest begnügen musste und auf einen Patzer des Tabellenführers HSG Gensungen wartete. Und jetzt, wo Saarlouis Tabellenführer ist und mit einem Sieg aus den letzten zwei Spielen Meister werden kann? Keine Lust mehr auf den Luxus Geduld - auch nicht beim Vorsitzenden Richard Jungmann: "Wir haben jetzt zwei Matchbälle und wir werden mit aller Macht versuchen, schon den ersten in Offenbach zu verwandeln." Los geht's an diesem Sonntag um 18 Uhr. Die zweite Chance gegen den TV Groß-Umstadt eine Woche später will niemand in Anspruch nehmen. Denn eigentlich "müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn es in Offenbach nicht klappt", sagt Präsident Arnulf Willkomm.



Denn bei aller Tiefstapelei könnte die Ausgangslage kaum eindeutiger sein beim Duell des Ersten gegen den Letzten. Zwar betont Jungmann, dass es "in den vergangenen Jahren sehr kampfbetonte, enge Spiele waren". Allerdings erinnert sich Trainer Daniel Altmeyer auch, "dass wir immer gewonnen haben". Überhaupt scheinen solche kampfbetonten Spiele der HGS im Moment zu liegen, wie die vergangenen Partien zeigten. Die HGS spielte selten schön, aber mit hohem Einsatz - und vor allem erfolgreich. "Wir wollen das große Ziel erreichen, da legt jeder noch eine Schippe drauf. Und es gibt sowieso keinen Schönheits-Preis - was zählt, sind zwei Punkte", weiß der zweite Trainer Danijel Grgic und ist gar nicht so unzufrieden, dass das Spiel in der Fremde stattfindet: "Wir haben in den vergangenen Wochen auswärts immer besser ausgesehen. Vielleicht machen wir uns zu Hause zu viel Druck."

Doch auch die Auswirkungen der langen Saison machen sich immer mehr bemerkbar. "Wir sind seit fast elf Monaten im Training, da freut man sich natürlich, wenn die Saison endlich zu Ende ist", sagt Altmeyer, und Jungmann pflichtet bei: "So eine Saison bleibt nicht in den Kleidern stecken."

Vergessen sind die Strapazen aber nur, wenn man als Meister die Saison beendet. Das gilt auch für Rückraum-Spieler Peter Vozar, der den Verein verlassen wird: "An meinem Ziel, mit der HGS aufzusteigen, hat sich nichts geändert und ich werde alles dafür geben, mich mit dem Titel zu verabschieden." Wohin er geht, steht nicht fest: "Noch habe ich keinen Vertrag unterschrieben." Gerüchte um Marco Henne, Torhüter des Zweitligisten HR Ortenau, haben laut HGS-Präsident Willkomm keinen Hintergrund: "Ich höre den Namen zum ersten Mal." Jungmann betont das bewusst behutsame Vorgehen bei der Personalplanung: "Wir sind nicht der THW Kiel und können uns jeden Spieler leisten. Wenn wir einen Transfer tätigen, muss der sitzen." Ob Geduld hier auch eine Tugend ist, wird sich zeigen.