Nach der Trennung von Niko Kovac sucht Bayern München einen neuen Trainer

FC Bayern München : Ein Favorit ist noch nicht auszumachen

Nach der Trennung von Niko Kovac sucht Bayern München einen neuen Trainer.

Der Tag nach dem Erdbeben an der Säbener Straße begann ohne weitere Erschütterungen und mit gut gelaunten Chefs. „Guten Morgen“, grüßte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, als er um 9.15 Uhr seinen Wagen in die Tiefgarage der Vereinszentrale von Bayern München lenkte. Zwei Stunden später fuhr Präsident Uli Hoeneß vor und versicherte, seine Laune sei „trotzdem gut“. Hansi Flick war da längst am Werkeln: Der ehemalige Bundestrainer-Assistent soll vorerst verhindern, dass der Rekordmeister weiter auseinanderfällt.

Unterstützt wird Flick dabei von Hermann Gerland, der den Co-Trainer-Posten übernimmt. Der 65-Jährige assistierte bereits unter Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola. „Hermann kennt die Mannschaft, er kennt die Abläufe, er kennt den gesamten FC Bayern. Deshalb war es mein Wunsch, mit ihm zusammenzuarbeiten“, sagte Flick in einer Mitteilung des Vereins vom Montag.

Nach der Trennung von Trainer Niko Kovac steht der FC Bayern nun wieder einmal vor dem Problem, kurzfristig eine Lösung für die Versäumnisse der Vergangenheit finden zu müssen. „Wir alle bedauern diese Entwicklung“, ließ sich Rummenigge am Sonntag zitieren. Dabei war bereits in der vergangenen Saison abzusehen, dass es mit dem von ihm ohnehin ungeliebten Kovac auf Dauer nicht gutgehen würde.

Und jetzt? Gegen Olympiakos Piräus in der Champions League (Mittwoch, 18.55 Uhr) und Borussia Dortmund in der Bundesliga (Samstag, 18.30 Uhr/jeweils Sky) wird Flick das Schlimmste aus Sicht des FC Bayern verhindern müssen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der bisherige Co-Trainer bis zur Winterpause weitermacht – oder weitermachen muss, um den Chefs Zeit für die Suche nach einer langfristigen Lösung zu geben.

Und dann? Die Liste möglicher Kandidaten umfasst etwa Ralf Rangnick. Sky Sport News will erfahren haben, dass Erik ten Hag, der mittlerweile Ajax Amsterdam zu Höhenflügen verhilft und von 2013 bis 2015 die Münchner U23 trainierte, kontaktiert wurde. In Italien nennt der Corriere dello Sport Massimiliano Allegri, zuletzt Meistertrainer bei Juventus Turin, als Kandidat. Bei diversen Wettanbietern wurde ten Hag noch vor Allegri oder den derzeit unbeschäftigten José Mourinho oder Arsène Wenger als erster Anwärter gehandelt. Ten Hag hat bei Ajax einen Vertrag bis 2022, ihm würden laut Sportvorstand Marc Overmars am Saisonende aber „keine Steine in den Weg gelegt“.

Zunächst müssen sich aber die Chefs einig werden, die nach dem Abschied von Pep Guardiola 2016 keine nachhaltige Lösung gefunden haben. Carlo Ancelotti als Nachfolger von Guardiola musste im Herbst 2017 gehen, Jupp Heynckes sprang ein. Dessen Nachfolger wurde Kovac, weil der von Rummenigge favorisierte Thomas Tuchel in der Findungsphase der Münchner zu Paris St. Germain ging.

Bei der Suche nach einem Nachfolger und der Ausrichtung für die kommenden Jahre wird sich zeigen, wer auf der „Baustelle FC Bayern“ mehr zu sagen hat: Rummenigge – oder der am 15. November aus dem Amt des Präsidenten scheidende Hoeneß. Hat Oliver Kahn, der Rummenigge nach dem 31. Dezember 2021 ablösen, aber bereits ab Januar angelernt werden soll, bereits ein Mitspracherecht? Welches Gewicht hat das Wort des unglücklich agierenden Sportdirektors Hasan Salihamidzic? Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic haben jedenfalls vieles gutzumachen. Von Rummenigge bekam Kovac keine Unterstützung, und alle zusammen stellten ihm einen unausgewogenen Kader zusammen.

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