FC Bayern gewinnt DFB-Pokal, Trainer Kovac aber keine Anerkennung

Fußball : Kovac erkämpft sich ein weiteres Jahr

Bayern München gewinnt den DFB-Pokal. Hoeneß gibt Bayern-Trainer Jobgarantie und empfiehlt Boateng Wechsel.

Nach der bewegenden Liebeserklärung des sichtlich gerührten Niko Kovac an die 15 000 Bayern-Fans auf dem Münchner Marienplatz ließ sich auch der beseelte Patriarch Uli Hoeneß nicht mehr lumpen. „Es ist ja wohl gar keine Frage, dass unser Trainer nächste Saison Niko Kovac heißt“, sagte der Präsident. Der frischgebackene deutsche Meister und Pokalsieger gehe „hundertprozentig“ mit dem Kroaten in die neue Saison, ergänzte Hoeneß. Es war die ersehnte Jobgarantie für Kämpfer Kovac nach einer aufreibenden ersten Saison beim FC Hollywood.

Er sei „urlaubsreif“, sagte Kovac bereits vor der prunkvollen Pokalsiegerparty im Herzen Berlins mit Beelitzer Spargel und Kalbs-Entrecote, wo er sichtlich gelöst an seinem Rotweinglas nippte. Rund 14 Stunden später hatte er seinen feinen Zwirn gegen eine Lederhose getauscht und gab bei der Party auf dem Rathausbalkon die stürmische Zuneigung des Anhangs an diesen zurück. „Wir hatten schwierige Zeiten, ohne Euch hätten wir es nicht geschafft, auch gestern nicht“, rief er hinab, „dafür vielen, vielen Dank! Bleibt wie ihr seid, ich liebe euch!“

Bei so viel Herzlichkeit wollte selbst der oft kühle Chefkritiker Karl-Heinz Rummenigge nicht mehr zurückstecken. „Ich habe ihn nie infrage gestellt“, sagte der Vorstandsvorsitzende über Kovac. Als er den Cupgewinnern bei seiner Bankettrede kurz vor ein Uhr nachts gedankt hatte, hatte Rummenigge den Coach noch geflissentlich übergangen. Kovac konnte es verschmerzen – erst recht nach dem klaren Bekenntnis am Sonntagnachmittag.

„Ich freue mich jetzt auf den Urlaub, es war keine leichte Zeit“, sagte er nach dem 3:0 (1:0) im packenden Endspiel gegen RB Leipzig, in dem Doppeltorschütze Robert Lewandowski und „Gigant“ (Rummenigge) Manuel Neuer herausragten. Wie er sich jetzt fühle, nachdem er es allen gezeigt hat? „Das ist schwer zu beantworten“, meinte Kovac, der als erster Münchner als Spieler (2003) und Trainer das Double gewonnen hat. „Ich bin froh, dass das Jahr ein Happy End genommen hat“, meinte der 47-Jährige und wirkte wie von einer Zentnerlast befreit. Auf dem Balkon dankte Kovac, der nach kurzer Nacht erstaunlich fit wirkte („Wir haben nicht übertrieben“), seiner Mannschaft: „Was sie alles geleistet haben, ist einzigartig.“

Hoeneß gab Kovac und seinem Team die Note „eins minus“, Rummenigge sprach im Sitzungssaal des Rathauses von einer „anstrengenden, manchmal kuriosen Saison“. Der Pokalsieg sei „wichtig, weil das Selbstverständnis von Bayern München ist, solche Finalspiele immer zu gewinnen.“ Dann würdigte er noch einmal die scheidenden Klublegenden Franck Ribery, der sich mit Tränen in den Augen von den Fans verabschiedete („I love you!“) und Arjen Robben („Ich bleibe immer einer von euch!“) sowie Rafinha: „Sie werden immer in unserem Herzen bleiben.“

Keine Liebe, aber immerhin großen Respekt zeigten die Aussagen der Spieler über Kovac. Hoeneß nannte Mutmaßungen über Spannungen „Märchen“, gab aber zu, dass sich der Trainer im Moderieren von interner Unruhe noch „entwickeln kann“. Die Bayern-Fans hatten Kovac schon in Berlin erneut hochleben lassen. Dieser verneigte sich vor dem Anhang in der Ostkurve, auch verbal. „Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich auf euch bin“, rief er.

Das war auch „Striptease-Stürmer“ Lewandowski, der nach seinem Doppelpack (29./85.) blank gezogen hatte. Mit sechs Treffern ist der Pole nun erfolgreichster Finaltorschütze. Neben Lewandowski und Kingsley Coman, der das 2:0 besorgte (78.), ragte bei seinem Comeback Kapitän Neuer heraus

Bayern-Präsident Hoeneß klang am Sonntag sehr angriffslustig. „Fremdkörper“ Jérôme Boateng legte er einen Wechsel nahe, weil er wie „ein Fremdkörper“ wirke. Nach den Weltmeister-Verteidigern Lucas Hernandez und Benjamin Pavard sowie Stürmertalent Jann-Fiete Arp sollen Nationalspieler Leroy Sané und eventuell Leipzigs Timo Werner kommen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic solle „morgen loszulegen“, sagte Hoeneß.

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