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FC Bayern München
Kovac denkt nicht ans Aufgeben

Wie lange Niko Kovac noch an der Seitenlinie des FC Bayern München steht, steht aktuell mehr denn je in den Sternen.
Wie lange Niko Kovac noch an der Seitenlinie des FC Bayern München steht, steht aktuell mehr denn je in den Sternen. FOTO: dpa / Matthias Balk
München. Der Trainer des FC Bayern München sitzt heute gegen Benfica Lissabon auf jeden Fall noch auf der Bank.

Niko Kovac betrat mit dunklem Anzug entschlossen den Presseraum der Münchner Arena, lächelte kurz und legte dann entschieden los. „Ich war mein ganzes Leben ein Kämpfer. Zurückstecken, aufgeben, die weiße Flagge hissen, gibt es in meinem Wortschatz nicht. Ich schaue immer nach vorne und werde immer kämpfen“, sagte der schwer angeschlagene Trainer von Bayern München vor dem Champions-League-Gruppenspiel am heutigen Dienstag (21 Uhr/Sky) gegen Benfica Lissabon bestimmt.


Der 47 Jahre alte Kroate, seit Wochen in der Kritik, kämpft mit Vehemenz gegen seinen Rauswurf – und gegen alle Gerüchte. Als Nachfolger von Kovac wird bereits Arsène Wenger (69) gehandelt. Der langjährige Trainer des FC Arsenal ist ohne Verein. Als weiterer Kandidat gilt Zinédine Zidane (46), der Real Madrid zuletzt zu drei Triumphen in der Champions League geführt hatte.

Ob er angesichts der jüngsten Aussagen von Präsident Uli Hoeneß, der Kovac erstmals die volle Unterstützung verweigert und nur eine Jobgarantie bis Dienstagabend ausgesprochen hatte, Angst um seinen Arbeitsplatz habe. „Warum sollte ich?“, fragte Kovac am Montag in die Runde: „Ich bin immer positiv gestimmt.“ Dabei gibt es angesichts einer miserablen Bundesliga-Bilanz von nur neun Punkten aus acht Spielen und dem Absturz auf Rang fünf wenig Grund, Optimismus zu verbreiten. Selbst Teile der Mannschaft soll Kovac gegen sich haben. Dieses Gerücht wies er entschieden zurück: „Das Verhältnis ist außergewöhnlich gut. Ich habe einige Gespräche mit Spielern geführt, und die haben mir genau das wiedergegeben. Es wird viel erzählt.“



Auch Hoeneß erzählte am Samstag nach dem blamablen 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf viel und ließ tief blicken. Doch in einem Punkt gab Kovac dem Präsidenten vollumfänglich Recht. Dessen harscher Kritik an den Spielern („Slapstick“, „hanebüchen“, „dilettantisch“) schließe er sich „voll und ganz an. Es ist ja letzten Endes auch die Wahrheit und das, was auch ich sage. Dass wir Gegentreffer kassieren, die nicht passieren dürfen.“

Verteidigen sei eigentlich „relativ einfach“, ergänzte der Bayern-Trainer, aber derzeit tue ihm Torwart Manuel Neuer leid, „der 20 Schüsse aufs Tor bekommt und 17 Mal hinter sich greifen muss“. Diese vielen individuellen Fehler dürften sich am Dienstag nicht wiederholen – sonst ist Kovac wohl nicht mehr zu retten.

Ein Zähler gegen die Portugiesen, bei denen Trainer Rui Vitoria ebenfalls bedenklich wackelt, würde den Bayern genügen, um vorzeitig das Minimalziel Achtelfinale (zum elften Mal in Serie) in der Königsklasse zu erreichen. Doch Kovac weiß, dass dies bei der momentanen Gemengelage zu wenig sein könnte, deshalb sagte er: „Es reicht ein Punkt, aber wir wollen gewinnen.“ Dabei muss er weiter auf die Stars bauen, die seit Wochen nach ihrer Form suchen - wie etwa Jérôme Boateng, Javi Martínez, Franck Ribéry, Mats Hummels, Arjen Robben oder Thomas Müller, obwohl dieser mit zwei Toren gegen Düsseldorf einen Aufwärtstrend zeigte. Kingsley Coman, Thiago, James und Corentin Tolisso stehen nach wie vor nicht zur Verfügung. Auch Serge Gnabry (Adduktorenprobleme) droht wie gegen die Fortuna auszufallen.

Deshalb „geht es gar nicht, dass man alles über den Haufen schmeißt. Wir haben nur 14 Feldspieler. Wir sind gebeutelt“, betonte Kovac, um kämpferisch anzufügen: „Ich bin überzeugt, dass die Spieler bei dieser besonderen Herausforderung Champions League an die Leistungsgrenzen gehen. Auch mit den Jungs, die wir noch haben, werden wir das Spiel gewinnen.“ Alles andere ist auch zu wenig.

Arsène Wenger wird in München derzeit heiß gehandelt.
Arsène Wenger wird in München derzeit heiß gehandelt. FOTO: dpa / Victoria Jones
Zinédine Zidane ist nach seinem Abschied von Real Madrid ohne Job.
Zinédine Zidane ist nach seinem Abschied von Real Madrid ohne Job. FOTO: dpa / Hassan Ammar