Starke Männer kriegen sie klein

Starke Männer kriegen sie klein

Quierschied. Die Zentrifuge brummt aufaufhörlich. Das Ding, das aussieht wie eine alte Wäscheschleuder, macht einen Höllenlärm. Ohne Ohrenstöpsel ist es nicht zu ertragen. Man versteht kaum sein eigenes Wort. Das ist aber kein Problem. Geredet wird eh nicht viel in der Kelterei des Obst- und Gartenbauvereins Quierschied im Keller des Jugendheims an der Glashütte

Quierschied. Die Zentrifuge brummt aufaufhörlich. Das Ding, das aussieht wie eine alte Wäscheschleuder, macht einen Höllenlärm. Ohne Ohrenstöpsel ist es nicht zu ertragen. Man versteht kaum sein eigenes Wort. Das ist aber kein Problem. Geredet wird eh nicht viel in der Kelterei des Obst- und Gartenbauvereins Quierschied im Keller des Jugendheims an der Glashütte. Die sechs Männer, die hier schuften, verstehen sich auch ohne Worte.

Alles läuft Hand in Hand. Das ist auch gut. Denn: Seit Anfang Oktober geht es an mindestens drei Tagen in der Woche hier rund, meistens zwölf Stunden am Stück. "Das liegt an der sehr guten Apfelernte in diesem Jahr", erklärt Hans Bost. Er ist sozusagen der Kopf des neuen Kelterteams. Er war auch schon beim früheren Team dabei.

Die gute Apfelernte ist auch der Grund, warum der Verein wieder eine neue Keltertruppe gesucht hatte. In den vergangenen beiden Jahre war die Kelterei zu, weil es kaum Äpfel gab. "Die Männer aus der alten Mannschaft haben vor zwei Jahren aufgehört", sagt Hilde Biondi, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Sie ist froh mit "ihren neuen starken Männern". "Eine prima Truppe", schwärmt sie.

"Wir können bald alle keine Äpfel mehr sehen", sagt Josef Trenz schmunzelnd, während Klaus Gessner wieder eine neue Ladung der rot-grünen Baumfrüchte in den Schredder kippt. Draußen nimmt Johann Fries gerade eine neue Lieferung an - fünf große Kisten voll. Alle werden genau beschriftet: Die Kundin will nur den Saft von den eigenen Äpfeln.

Kein Problem für Theo Feldmann und Günter Piro, die den Saft, der mit 80 Grad aus der Entkeimungsglocke kommt, in Sprudelflaschen abfüllen. Auf die Flasche kommt ein Drehverschluss. "Die alte Maschine, die jahrelang nicht mehr funktioniert hat, haben wir repariert", sagt Theo Feldmann. Bevor der Saft in die Flaschen kommt, werden diese alle in einem so genannten Einweichrad gesäubert.

Schon seit Mitte der 30er Jahre betreibt der Verein eine eigene Kelterei. Zuerst war sie im alten Schulhaus in der Ortsmitte, danach in der ehemaligen Steinbergschule, und seit 1984 ist sie in den unteren Räumen des Jugendheims an der Glashütte untergebracht. In der Steinbergschule, da war das Rekordjahr: In einer Saison machten die Keltermeister 42000 Liter Apfelsaft. Dafür musste die "Keltermannschaft" aber an drei Schichten am Tag, und das über viele Wochen hinweg arbeiten. 1999 war auch wieder ein gutes Jahr. Da wurden rund 20000 Liter Apfelsaft hergestellt. 1996 schaffte der Obst- und Gartenbauverein Quierschied für seine Kelterei einige neue Geräte an, bekam dafür sogar einen Zuschuss vom Stadtverband.

"In diesem Jahr werden es bestimmt mindestens wieder 10000 Liter Apfelsaft", schätzt Hans Bost.

Die letzte Obstannahme für dieses Jahr ist übrigens am heutigen Freitag von 16 bis 18 Uhr. Je nachdem wie viele Kilo angeliefert werden, hat die Keltertruppe in kommenden Tagen wieder jede Menge zu tun. Dann aber endet die diesjährige Saison und alle Geräte werden gründlich gereinigt für die nächste gute Apfelernte. Auf dass die Zentrifuge auch dann wieder aufhörlich brummt. "Wir können

bald alle keine

Äpfel mehr sehen."

Josef Trenz

Theo Feldmann (vorne im Bild) und Günter Piro an der Apfelsaft-Abfüllanlage der Obst- und Gartenbauer.
Ein Teil der Apfelschwemme des Jahres 2008.

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