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Josef Sajak erlebt ein bewegtes Jahrhundert

Josef Sajak erlebt ein bewegtes Jahrhundert

Er hat mehr als ein Jahrhundert erlebt. Heute wird Josef Sajak 101 Jahre alt. Damit ist der Jubilar der älteste männliche Bürger in der Gemeinde Tholey. Seinen Geburtstag feiert er im Seniorenheim, in dem er seit Mai 2015 wohnt.

Seinen Humor hat er in 101 Jahren nicht verloren, zum Scherzen ist Josef Sajak noch immer aufgelegt. "Ich fühle mich beurlaubt, ich brauche ja nichts mehr zu machen", betont der Jubilar. Am heutigen Donnerstag schon zweimal nicht, wenn er im Tholeyer Seniorenheim seinen 101. Geburtstag feiert.

"Mein Lieblingsgericht Rotkraut, Rouladen und Schneebällchen habe ich mir zum Mittagsessen gewünscht", erzählt der Senior. Seine Enkelin Heike Scheid ergänzt: "Der Opa ist noch topfit, er hat ein super Gedächtnis und vergisst nix". Zum täglichen Mentaltraining gehört, aus dem Stegreif das Einmaleins aufzuzählen, körperlich hält er sich bei den Gymnastikstunden im Seniorenheim in Schwung.

Und ganz klar hat Josef Sajak eine Menge an Geschichten zu erzählen, in einem Jahrhundert hat er viel erlebt. Alle wichtigen Ereignisse und Daten hat der Senior genauestens in seinem Gedächtnis gespeichert.

Am 4. Februar 1915 wurde er im oberschlesischen Kammersfeld geboren. "Mein Elternhaus stand 50 Metern von der Neiße entfernt, dort sind wir als Kinder zum Angeln hingegangen", erinnert er sich. Im Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei seiner Eltern habe er gerne mitgeholfen. Im Jahre 1936 ist er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg gezogen und wurde in Russland verwundet. "Später wurde ich erneut eingezogen und bin am Bein schwer verwundet worden und kam ins Hospital nach Kiew. Mein rechtes Bein konnte ich behalten, es ist aber vier Zentimeter kürzer", sagt der Senior der betroffen.

Doch auch freudige Anlässe schüttelt er während den spannend erzählten Anekdoten aus dem Ärmel. Noch im Laufe des Krieges sei er 1940 ins Saarland gekommen und habe Eleonore Schu aus Bliesen kennengelernt. "Ihr Vater arbeitete bei der Bahn, über die Bekanntschaft zu ihm, bin ich zu seiner Tochter gekommen", weiß Josef Sajak noch genau. 1943 feiert das Paar Hochzeit und der gebürtige Oberschlesier wird im St. Wendeler Stadtteil heimisch geworden. "Endlich", so sagt er mit einem entspannten Gesichtsausdruck, "bin ich am 15. Dezember 1944 als Soldat entlassen worden".

Danach war er zunächst für die Verteilung von Lebensmittelkarten in zwölf Ortschaften zuständig. Seinen ersten Job bekommt Josef Sajak in einer Friedrichsthaler Bäckerei. "Da kannte ich mich aus, ich habe das ja schon als Kind gemacht", merkt er an.

1949 eröffnete der Kaufhof in Neunkirchen, wo Josef Sajak über eine Zeit von 27 Jahren beschäftigt war. In Bliesen zieht die Familie in ihr eigenes Haus mit großem Nutzgarten. Nach dem Tode von Ehefrau Eleonore 1979 lebt er dort allein und ist Mitglied im Pensionärsverein.

Weil das Gehör und die Augen nachlassen, siedelt er vor zehn Jahren zu seiner Tochter Ilse Schank nach Tholey um. Seit dem Mai 2015 lebt Josef Sajak im Seniorenheim. Zur Familie gehören drei Kinder, zwei Enkel und vier Urenkelkinder.