Neuer Vorsitz und Proteste gegen G9-Abi

Neuer Vorsitz und Proteste gegen G9-Abi

Lehrer trafen sich zur Generalversammlung des St. Wendeler Kreisverbandes im Wendelinushof.

Benjamin Warken ist neuer Vorsitzender des Kreisverbandes St. Wendel im Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV). Der 37-jährige Leiter der St. Wendeler Nikolaus-Obertreis-Grundschule tritt die Nachfolge von Peter Weber an, der nach zwölf Jahren nicht mehr für den Vorsitz kandidierte. "Ich bedanke mich sehr für das mir entgegengebrachte Vertrauen", freute sich Warken bei der Generalversammlung des St. Wendeler Kreisverbandes im Tagungsraum des Wendelinushofs.

Doch unter den Lehrern herrschte nicht nur Feierstimmung. Massive Proteste des SLLV richten sich derzeit gegen die SPD mit Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon an der Spitze, die es ermöglichen wollen, zum Abitur in neun Jahren (G9) auch an Gymnasien zurückzukehren. "Das schwächt die Gemeinschaftsschulen", meinte die stellvertretende SLLV-Landesvorsitzende Michaela Günther. Nach Ansicht des mitgliederstärksten Lehrerverbandes sei das Zwei-Säulen-Modell G8/G9 auf dem richtigen Weg, was Commerçon bislang genauso gesehen habe. Sein Vorstoß, so Günther, sei unter "wahlkampftaktischen Gründen" einzuordnen. "Es ist jetzt nicht zufällig, dass der Minister das Thema wieder propagiert", unterstellte die Vize-Landeschefin.

Der Verband vermisst außerdem Konzepte, um den seit langem bestehenden Förderschullehrkräfte.Mangel auszugleichen. "Aber wir haben nicht genügend Sonderpädagogen, um die Stellen besetzen zu können" begründete Günther das personelle Defizit. Sie plädierte diesbezüglich einen gesonderten Studiengang für Sonderpädagogik an der Universität einzuführen, damit sich Fachfremde weiterbilden könnten.

Aktuell, so führte Günther weiter aus, werde man dem hohen Anspruch einer angemessenen Umsetzung der Inklusion überhaupt nicht gerecht und lasse die Grundschullehrer alleine. "Ein Wechsel an der Spitze des Ministeriums, wäre für SLLV günstiger", merkte ein Mitglied des Kreisverbandes per Zwischenruf an. Zahlreiche Klagen wegen zu hoher Arbeitsbelastung sind zudem aus den Gemeinschaftsschulen an den SLLV herangetragen worden. "Besonders was den Unterricht mit den Flüchtlingskindern angeht, werden die Schulen noch alleine gelassen", meinte Günther.

Der neue Kreischef Warken gab noch zu bedenken, dass sich zusätzlich die Bürokratie vervielfältigt hätte. "Bei der Dokumentation ist keine einheitliche Norm erkennbar. An den Schulen wird mit unterschiedlichen Maßstäben gearbeitet, das ist ein Widerspruch in sich", konstatierte Warken. Der ehemalige Schulleiter Dieter Schmidt betonte dazu: "Bei einer Klassenstärke zwischen 25 und 28 Schülern kann die Dokumentation nur Gedächtnisprotokoll sein." Eine weitere Forderung des Lehrerverbandes ist, dass jede Grundschule eine Konrektorstelle bekommen muss und die Zusage der vollen Eingangsbesoldung für alle ohne zeitliche Befristung.

Zum Thema:

Der Vorstand des Lehrerkreisverbandes im Landkreis St. Wendel für die nächsten drei Jahre: Benjamin Warken, Vorsitzender, Peter Weber, Werner Pack, Stellvertreter, Walter Haab, Schatzmeister, Marika Alka, Schriftführerin, Daniela Biehl, Stellvertreterin, Gerhard Alles, Pressereferent, Uwe Schmelzer, Dieter Schmidt, Patrick Gotthard, Stefanie Leist, Beisitzer, Joachim Ohlmann, Lothar Lambert, Kassenprüfer, Ehrungen: 70 Jahre Mitglied: Agnes Bard, Josefa Jochem, 65 Jahre, Alois Eldelbluth, Hildegard Naumann, 60 Jahre, Gerhard Brück, Marliese Klein, 55 Jahre, Siegrid Hahn, Helmut Heck, Ute Simon, Sigrid Wagner, 40 Jahre, Birgit Biesel, Rita Klein. 20 Jahre, Daniela Biehl, Anja Brehm, Stefanie Leist, Katja Spies, zehn Jahre, Elisabeth Molitor.