1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Einst verehrt, heute fast vergessen

Einst verehrt, heute fast vergessen

Ein Stück St. Wendeler Stadtgeschichte konnten jetzt die Besucher im Mia-Münster-Haus bei einer szenischen Darstellung erleben. „Luise, die fast vergessene Herzogin“ zeichnete unter anderem das Wirken der Landesmutter in St. Wendel nach.

"Die Stadt ist einfach grässlich", schrieb Herzogin Luise kurz nach ihrer Verbannung ins Herzogtum Lichtenberg mit seiner Hauptstadt St. Wendel . Warum und wie sie von ihrem Mann Herzog Ernst I. verbannt wurde und wie sie es schaffte, trotz ihrer anfänglichen Bedenken gegenüber St. Wendel als Wohnort, das gesellschaftliche Leben bis heute zu prägen, konnten Besucher des Mia-Münster-Hauses am Sonntag miterleben. In den Museumsräumen nämlich führte der Katholische Deutsche Frauenbund das Stück "Luise, die fast vergessene Herzogin" auf.

Gisela Hoffmann, Autorin des Stückes, hatte sich im Vorfeld umfassend informiert: "Ich habe sehr viele Bücher gelesen und auch im Internet recherchiert", erzählt sie. Nur so habe sie ein authentisches Stück über Luise schreiben können. Dabei sei es ihr besonders wichtig gewesen, das Bild der Herzogin ins rechte Licht zu rücken. "Oft wird ihr allein die Schuld an der Trennung von ihrem Mann Ernst gegeben, aber auch er hatte seinen Teil daran", so Hoffmann. Aus diesem Grund gab sie vor Beginn der Aufführung eine kleine Einführung in das Leben von Luise, die die Umstände ihres Exils zusammenfasste.

Das Stück selbst beginnt am Tag der Verbannung . Herzog Ernst, gespielt von Christine Hoff-Czar, eröffnet Luise (Hanna Schmitt), dass er sie wegen angeblicher Affären nach St. Wendel schicken werde. "Was? St. Wendel ? Ans Ende der Welt?" ist die Reaktion der überrumpelten Herzogin. Doch ihr bleibt keine Wahl. Letztlich muss sie Folge leisten. "Damals war der Mann der Vormund der Frau", erklärt Autorin Gisela Hoffmann. Und so endet der erste Akt damit, dass Luise das Herzogtum Sachsen-Coburg verlässt.

Der zweite Akt spielt sich in St. Wendel ab. Einige Jahre nach der Verbannung . Inzwischen ist Luise geschieden und hat Maximilian Graf von Pölzig geheiratet. "Nun werden wir einige bekannte Größen treffen, deren Namen bis heute hier bekannt sind", verspricht Hoffmann im Vorfeld. Und tatsächlich: Beim Stammtisch treffen sich Bürgermeister Cetto, der Büchsenmacher Weißgerber und der Anwalt Hallauer. Gemeinsam loben sie, was Luise mittlerweile alles für St. Wendel getan hat. Eine bessere Versorgung der Armen und der Bau einer Schule für Mädchen sind nur zwei der Dinge, die dafür sorgten, dass sie als Landesmutter verehrt wird. Doch letztlich schlägt auch bei Luise das Schicksal zu. Im Alter von nur 30 Jahren stirbt sie an Krebs.

Veranstaltung war gut besucht

"Wir haben uns heute getroffen, um gemeinsam ein Stück St. Wendeler Geschichte zu erleben", hatte Frauenbeauftragte Ursula Weiland im Vorfeld der Veranstaltung, die Teil des Programms der Frauenkulturtage war, erklärt. Und daran bestand offensichtlich großes Interesse, denn das Stück, war so gut besucht, dass Zuschauer sogar nach Hause geschickt werden mussten. "Aber wir werden einen zweiten Termin finden und noch eine Aufführung machen für alle, die heute nicht dabei sein konnten", verspricht Weiland.

Zum Thema:

Auf einen BlickLuise, die fast vergessene Herzogin, aufgeführt vom Katholischen Deutschen Frauenbund St. Wendel . Die Darsteller: Hanna Schmitt, Christine Hoff-Czar, Christel Ritter, Anne Kessler, Ursel Fried, Margit Peilstein, Ursel Leschniowski. sick