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Varroamilbe bedroht Honigbienen im St. Wendeler Land

Besuch beim Imker : Blutsauger bedroht die Honigbienen

Für Imker ist die Varroamilbe der wohl größte Feind. Ende Juli ist die richtige Zeit, um den Parasiten mit einer ersten Behandlung zu bekämpfen.

Die Varroamilbe ist der Schrecken eines jeden Imkers. Der Parasit mit dem ovalen Körper und den scharfen Beißwerkzeugen vermehrt sich in den Brutzellen und befällt die Arbeiterbienen. „Die Tierseuche Varroose führt bei den Bienenvölkern zu immens hohen Verlusten“, sagt Karl-Heinz Seegmüller, Vorsitzender des Imkerverbandes im Landkreis St. Wendel. Die eigentliche Gefährlichkeit der Varroamilbe liege in ihrer Ernährung. „Das sogenannte Blut der Bienen dient den Milben als vorzügliche Nahrung“, berichtet Seegmüller. Die Milbe taste sich blind und taub durch den Bienenstock. „In der Brutzelle der Bienen vermehrt sie sich und infiziert den gesamten Nachwuchs mit Krankheiten. Auf diese Weise wird das Volk der Honigbienen arg geschwächt“, erläutert der Kreisimker-Chef am Lehrbienenstand in Nonnweiler. Wie jedes Jahr sind alle Imker dazu verpflichtet, die Varroamilbe zu bekämpfen. „Um gemeinsam gezielt und nachhaltig gegen die Milbe vorzugehen, empfiehlt der Verband im Zeitraum bis Ende Juli den Bienenparasit mit einer ersten Behandlung zu bekämpfen“, appelliert Seegmüller. Mit dieser gemeinsamen Aktion werde die Gefahr der Re-Invasion der Varroamilben deutlich reduziert.

Und wie kann der Imker die Varroamilbe erfolgreich bekämpfen? „Der Kreisverband empfiehlt, bei entsprechenden Wetterbedingungen die natürlichen und im Biobereich zugelassenen Behandlungsmittel anzuwenden“, rät Seegmüller. Dazu gibt es diverse Behandlungsmethoden. Grob unterschieden werden die Therapien in: Sommerbehandlung, Winterbehandlung, Notbehandlung und im Bremsen der Varroa-Entwicklung. „Die Imker müssen rasch handeln, denn ohne ihre Hilfe stirbt ein befallenes Bienenvolk meist innerhalb von wenigen Jahren“, meint Seegmüller mit besorgter Miene.

Behandelt werden darf erst nach der Honigernte. Durch die Ermittlung des Befallsgrades kann abgeschätzt werden, wie viel Zeit bis zum notwendigen Beginn der Behandlung bleibt und welche Methoden infrage kommen. Eine sichere Variante, so der Experte, stelle die Behandlung mit Ameisensäure dar. „Sie wirkt gegen die Varroamilbe. Wir verdunsten die Säure im Bienenstock, um die Milbe zu bekämpfen. Die Methode wird von der überwiegenden Zahl deutscher Imker erfolgreich eingesetzt“, sagt Seegmüller. Eine zweite Behandlungswoche sei zusätzlich Ende August einzuplanen. Durch den Einsatz der Ameisensäure werden nicht nur die Milben, sondern auch vorhandene Nachkommen innerhalb der Zellen vernichtet.

„Eine erfolgreiche Varroa-Behandlung ist sehr von der Wettersituation abhängig. Mehr als 20 Grad sind optimal, um den Langzeitverdunster an drei bis vier Tagen einzusetzen“, sagt Seegmüller. Die Auswahl der Mittel hänge deshalb von den Witterungsverhältnissen ab. Temperatur und Luftfeuchtigkeit würden dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Bei einer richtigen Anwendung könne zudem auch die Milchsäure eine gute Wirksamkeit erzielen. „Sie wird mit einem Druckpumpenzerstäuber oder Handsprayer gesprüht. Davon sind je nach Befall mehrere Behandlungstage nötig“, so der Imker.

 Der Imker Karl-Heinz Seegmüller kontrolliert am Lehrbienenstand in Nonnweiler die sogenannte Windel auf Milben-Befall hin.
Der Imker Karl-Heinz Seegmüller kontrolliert am Lehrbienenstand in Nonnweiler die sogenannte Windel auf Milben-Befall hin. Foto: Frank Faber

Für die Winterbehandlung empfiehlt er den Einsatz von Oxalsäure. „Der Behandlungstag sollte sehr kalt sein, dann ist der Erfolg, die Varroamilbe zu bekämpfen, gegeben“, weiß Seegmüller. Denn dabei sei zu beachten: Ist es zu feucht, verwässere die Säure, ist es zu heiß, verdampfe sie schnell.