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Noch keine Städtebande zu „Bella Italia“

Noch keine Städtebande zu „Bella Italia“

Drei Städtepartnerschaften hat Neunkirchen. Die SZ hat nachgefragt, wie intensiv sie nach vielen Jahren noch gelebt werden. Der heutige Beitrag gibt die Sicht von Oberbürgermeister Jürgen Fried wieder.

Eine Stadt auf dem Stiefel könnte Oberbürgermeister Jürgen Fried reizen. Unter dem Aspekt, dass die Italiener mit etwa 3000 Köpfen die größte Zuwanderergruppe in Neunkirchen sind, würde eine Partnerschaft mit einer italienischen Kommune in seinen Augen schon Sinn machen.

Gleichwohl kommentiert der OB zum Ist-Stand: "Es ist bereits schwierig, drei Partnerschaften am Leben zu erhalten. Wenn es mehr werden, wird das Ganze umso mehr den Charakter einer offiziellen Begegnungsebene erhalten." Er will damit sagen, dass Städtebeziehungen für ihn dann Sinn machen, wenn "sich so viele Menschen wie möglich begegnen". Um von der Behördenebene herunterzukommen, wurde die Kontaktpflege dem 1983 eigens zu diesem Zweck gegründeten Städtepartnerschaftsverein übertragen.

Zum Ausgleich mit Frankreich und zur Überwindung der innerdeutschen Grenze sei es vor 20, 30 Jahren notwendig gewesen, Städtepartnerschaften ins Leben zu rufen, spielt Fried auf Mantes-la-Ville und Lübben an. Der Aspekt der Völkerverständigung stehe mittlerweile nicht mehr so stark im Vordergrund wie damals, so der OB im Gespräch mit der SZ. Auch sieht er das Neunkircher Partner-Trio - Mantes-la-Ville, Lübben und Wolsztyn - nicht unbedingt als Idealbesetzung an: "Sie passen eigentlich weder von der Größe und Struktur her, noch von der Historie zu Neunkirchen!"

Gerade die älteste Städtepartnerschaft mit Mantes-la-Ville (seit 1970) lebt mittlerweile ausschließlich von privaten Initiativen und Verbindungen. "Wir haben seit zehn Jahren überhaupt keine Kontakte mehr zum dortigen Rathaus", hält Fried fest. Wohl auch, weil Bürgermeisterin Monique Brochot kein ausgeprägtes Interesse offenbarte. Die Neunkircher Verwaltungsspitze wird erst recht nicht vorpreschen, nachdem die französischen Kommunalwahlen im März einen Vertreter der rechtsextremen Front National (FN) in den Mantaiser Bürgermeistersessel gespült haben. Weil sich die Sozialistin Brochot und ihre erneut kandidierende Vorgängerin Annette Peulvast-Bergeal gegenseitig Stimmen wegnahmen, wurde der 32-jährige Gewerbelehrer Cyril Nauth von der FN mit 61 Stimmen Vorsprung Rathauschef. Der politische Wermutstropfen soll aber die deutsch-französische Partnerschaft keineswegs ungenießbar machen. Sie werde weiterhin florieren, meint Fried. Von einem Rechtsruck in Mantes könne keine Rede sein, immerhin hätten die beiden Kandidatinnen zusammen 60 Prozent der Stimmen fürs linke Lager gewonnen. Auch der Neunkircher Städtepartnerschaftsverein sieht keinen Anlass für Konsequenzen: "Eine Aufkündigung der Jumelage halten wir für Quatsch", so Vorsitzende Ursula Maurer.

Als "belebteste Partnerschaft" sieht Fried von Seiten des Rathauses diejenige mit Lübben. Offizielle Kontakte fänden im Jahresrhythmus statt. Dieser eingespielte Umgang miteinander werde momentan etwas gehemmt durch eine langwierige Erkrankung des Lübbener Bürgermeisters Lothar Bretterbauer.

Der Kontaktfaden zwischen dem Saarland und Polen bleibt indes dünn: Das letzte Treffen datiert vom Juni 2012, als eine Wolsztyner Delegation mit Bürgermeister Andrzej Rogozinski zur Einweihung des "Wolsztyner Platzes" (am oberen Ende der Bahnhofstraße) in Neunkirchen weilte.

Ein Positivbeispiel für lebendige grenzüberschreitende Beziehungen in nicht allzu weiter Entfernung sieht der Rathauschef in einer "Stadtteil-Partnerschaft": Seit 45 Jahren halten sich Hangard und das lothringische Enchenberg die Treue.