Marusha heizt im Bosaarium ein

Bosen. Es ist Mitternacht. DJane Marusha steht auf der Bühne hinter ihren Plattenspielern und macht einen coolen, äußerst konzentrierten Eindruck. Zu ihrer Musik tanzen mehrere Hundert Menschen im Bosaarium am Bostalsee. Dorthin sind am vergangenen Samstag rund 1800 Anhänger der elektronischen Musik gepilgert, um den Set eines Stars der Szene zu hören

Bosen. Es ist Mitternacht. DJane Marusha steht auf der Bühne hinter ihren Plattenspielern und macht einen coolen, äußerst konzentrierten Eindruck. Zu ihrer Musik tanzen mehrere Hundert Menschen im Bosaarium am Bostalsee. Dorthin sind am vergangenen Samstag rund 1800 Anhänger der elektronischen Musik gepilgert, um den Set eines Stars der Szene zu hören. "Ich bin das erste Mal bei Marusha, und ich finde es sehr gut", sagt Peter Scholtes aus Homburg. Die DJane ist für Scholtes seit rund zehn Jahren ein Begriff. Der 29-Jährige kennt wie jeder, den man fragt, Marushas großen Hit "Somewhere over the rainbow" aus dem Jahr 1994. "Sie ist eine Techno-Ikone", ruft Janine Butz aus St. Wendel. Für sie gehört Marusha zu den wenigen Plattenauflegern, "die nicht abgedreht" sind. Viele erinnern sich an die grün gefärbten Augenbrauen, die die Künstlerin Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts trug und die ein Markenzeichen waren. Diese Zeiten sind längst passé. Nicht nur äußerlich, sondern auch musikalisch hat sich Marusha verändert. "Außergewöhnlich", findet Peter Scholtes den Set. "Ich hätte es mir so nicht vorgestellt." Vor einer Bar tanzt Sonja Thewes aus Thalexweiler. "Der Beat packt einen", sagt sie und wippt mit den Hüften zum Rhythmus. Die 29-Jährige war schon einmal bei Marusha "vor vier oder fünf Jahren". Die "Queen of Techno", wie die DJane auch heutzutage noch oft tituliert wird, lege schon "saugut" auf, sagt Sonja. Deshalb hat die Thalexweilerin einen Wunsch: "Marusha soll auf jeden Fall weitermachen." Das Multitalent aus Berlin ist mittlerweile 42 Jahre alt und Mutter eines Sohnes. Während Sonja darauf hofft, bis zum Ende bleiben zu dürfen, "weil ich nicht der Fahrer bin", bewegt Marusha ihre Arme auf der Bühne wie eine fernöstliche Tempeltänzerin. Dazu schallen Ethno-Klänge aus den Boxen. "Ich finde gut, dass Marusha ihren Stil verändert hat. Jetzt ist es perfekt", sagt Sonja. Sie ist der gleichen Meinung wie Peter Scholtes, dass die Musik "nicht so kommerziell" sei. Aber eine Sache würde Sonja in jedem Fall ändern: Die Musik müsste lauter sein. "Ich hätte es mir anders vorgestellt", meint Kevin Sawatzki. Der Marpinger hätte Breakbeat erwartet, den sie vorher gemacht habe. "Die Schiene, die Marusha jetzt fährt, fahren mehrere." Es sei schade, dass jeder auf den gleichen Zug aufspringe und nicht nach wirklich neuen Wegen suche. Als Marusha hinter einer Wand künstlichen Nebels verschwindet, sagt Kevin, was er der Musikerin besonders übel nimmt: "Ich habe Marusha auch auf der Loveparade 2007 in Essen gesehen mit ihrer Popstars-Scheiße." Der Hintergrund: Marusha war 2007 Jurorin in der Pro-Sieben-Sendung "Popstars on Stage". Die Siegertänzer durften gemeinsam mit ihr auf der Hauptbühne der Loveparade auftreten. Techno sei zwar eine kommerzielle Musik, gehe aber vom Gefühl aus, sagt Kevin "Saw" Sawatzki, der auf Privatpartys selbst Platten auflegt. Mit dem "kommerziellen Mist" habe Marusha ihre Musikrichtung verraten. Um Party zu machen, würde Kevin aber wieder zu Marusha gehen. Auf der Bühne ist die DJane wieder aus dem Nebel aufgetaucht. Viele schreien das eindringliche Heulen aus Blurs "Song 2". Vor aufflackernden LED-Lichteffekten gibt Marusha Vollgas. Zu ihrem Set tanzen nicht nur die Leute ab, sondern auch sie selbst. In diesem Moment scheint Marusha in ihrer Musik aufzugehen.