Leerstand wechselt den Besitzer

Gestern wechselte das Sulzbacher City-Center bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer. Für 490 000 Euro wurde das Gebäude in der Stadtmitte ersteigert. Fürs Schwesternheim gab's keine Gebote.

"Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten" - gestern Morgen fiel um 9.35 Uhr der sprichwörtliche Hammer. Im dritten Anlauf klappte die Zwangsversteigerung des Sulzbacher City-Centers. Für 490 000 Euro bekam der Lebacher Werner Arnold Schmitt den Zuschlag für den Gebäudekomplex gegenüber der Klinik.

Was der 60-Jährige mit der Immobilie nun anfangen will, steht noch nicht fest. "Ich muss jetzt zuerst einmal mit meinem Geschäftspartner und einem Architekten sprechen, was möglich ist", sagte Schmitt unmittelbar nach der Versteigerung gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Vieles sei denkbar, die Wiederbelebung des Hotels sei ebenso möglich wie ein Umbau in eine Art Studentenwohnheim. "Ich habe das Objekt erst einmal gesehen", gestand Schmitt, "es ist in einem jämmerlichen Zustand. Die Türen sind rausgenommen, die Toiletten abmontiert. Auch die Ansiedlung eines Einkaufsmarktes erscheint mir eher schwierig." Schon vor der Versteigerung bemängelte Rechtsanwalt Volker von Moers, dass der Insolvenzverwalter verschiedenen Interessenten keinen Zutritt zu dem leer stehenden Gebäude gewährt habe. Bis zu fünf potenzielle Bieter seien dadurch abgeschreckt worden. Doch der Einwand wurde von der zuständigen Rechtspflegerin als für das Bietverfahren irrelevant zurückgewiesen.

Mindestquote gilt

Der Verkehrswert des City-Centers ist mit über 1,4 Millionen Euro angegeben, doch die ersten beiden Versteigerungsversuche blieben ohne Erfolg. Diesmal musste ein Mindestgebot knapp 45 000 Euro betragen - doch dafür wäre die Immobilie nicht zu haben gewesen. Denn wegen des sogenannten Verschleuderungsverbots hat der Bundesgerichtshof eine Mindestquote von 30 Prozent angesetzt. Wird diese nicht erreicht, müssen vor dem Zuschlag Insolvenzverwalter und Gläubiger zustimmen. Dies war aber gestern nicht nötig. Die Türkisch-Islamische Gemeinde Sulzbach eröffnete den Bieterwettstreit mit einem Gebot von 99 000 Euro. Der Verein plante, im prominent gelegenen Gebäude eine Moschee einzurichten. Bei 150 000 Euro war für die Gemeinde allerdings Schluss. Es boten nur noch Werner Arnold Schmitt, der sich selbst als "Rentner" bezeichnet, sowie der Sulzbacher Unternehmer Ralf Schackmann, dessen Maximalgebot bei 480 000 Euro lag. "Ich hatte schon die ein oder andere Idee, was man da tun kann", sagte Schackmann. Allerdings war er nur wenig enttäuscht, nicht den Zuschlag bekommen zu haben: "Jetzt dürfen wir gespannt sein, was dort passiert."

Nichts passiert ist mit dem ebenfalls zur Versteigerung stehenden ehemaligen Schwesternheim. Wegen der 30-Prozent-Regelung wäre ein Gebot von 30 900 Euro nötig gewesen, um hier den Zuschlag für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu bekommen. Ein Gebot der Stadt Sulzbach wurde darum nicht zugelassen, es war nach Aussage der Pressestelle der Stadt um 900 Euro zu niedrig. Mehr Spielraum hatte der Stadtrat Kämmerer Jürgen Baltes, der als Vertreter Sulzbachs an der Auktion teilnahm, nicht eingeräumt. Bis zum Ende der 30-minütigen Bieterzeit hatte sich dann aber auch kein anderer Interessent gefunden.