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Förster zeigt Schönheit der Natur

Förster zeigt Schönheit der Natur

Rund um den Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt es für Besucher viel zu entdecken. Förster Konrad Funk kennt die Schönheit der Gegend ganz genau. Zurzeit arbeitet er an dem Naturschutzprojekt mit.

So sehr Konrad Funk auch sucht, eine Waldbeerblüte entdeckt er heute nicht im Wald nahe des Beilfelsens. Als unscheinbar, aber bei genauerem Hinsehen wunderschön, beschreibt der fotografierende Förster die rötlich-grün marmorierten Triebe der Waldfrucht, die bis zum Spätsommer heranreifen wird: Ein Prinzip, das für viele seiner Motive gilt, die er auf wenigen Quadratmetern Nationalparkfläche zu Dutzenden findet, denn seinem Auge entgeht kaum eine Naturschönheit, sei sie noch so winzig.

Seit einigen Wochen arbeitet der 57-jährige Saarländer zusammen mit neun rheinland-pfälzischen Kollegen im Starterteam in Vollzeit an der Vorbereitung des Naturschutzprojekts. Zuvor war er als Revierförster in Nohfelden tätig.

Doch parallel zum Beruf gilt Konrad Funks Leidenschaft schon seit jungen Jahren der Naturfotografie . "Meine erste Kamera habe ich mir nach dem Abitur in den Eisenwerken in Neunkirchen erarbeitet, eine Canon A-1", berichtet er. Autos, Fernreisen - wofür seine Altersgenossen sich ins Zeug legten, erschien ihm weit weniger erstrebenswert als das damalige Spitzenmodell des japanischen Herstellers.

Technisch stets mit der Zeit gegangen ist der studierte Forstwirt seitdem, hat über die Jahre ganze Wandschränke voller Dias, später Festplatten voller Digitalfotos und nicht zuletzt viele Trophäen angehäuft. Bei nationalen und internationalen Fotowettbewerben landet er regelmäßig im Spitzenfeld, teils sogar ganz vorne, aber darum macht der bescheidene Naturfreund nicht viel Aufheben. "Es ist eine schöne Bestätigung", sagt er nur.

Vielmehr ist Konrad Funk in seinem Element, wenn er über die verborgenen Wunder der Natur erzählt, die ihm auf dem kurzen Weg vom Wirtschaftsweg zu der beeindruckenden Felsformation dutzendfach ins Auge fallen. Besonders angetan haben es ihm heute die Fruchtkörper des Zunderschwamms, eines Baumpilzes, die aus einem abgestorbenen Buchenstamm hervorragen. Sie holt er sich mit dem Makroobjektiv seiner auf ein Stativ geschraubten Spiegelreflexkamera - es ist noch immer eine Canon - vor die Linse, drückt aus unterschiedlichen Positionen auf den Auslöser und achtet dabei stets auf den Hintergrund aus mit Moosen und Farnen zugewucherten Felsen. Sinnbildlich steht der unter rein ökonomisch denkenden Forstleuten als Schädling gesehene Schwamm aus seiner Sicht für den ewigen Kreislauf der Natur, der im Nationalpark frei walten können soll.

Schutzgebiet ist offen für alle

Frei bewegen können sich im Schutzgebiet Touristen und einheimische Naturfreunde: "Ein Betretungsverbot gibt es bei uns nicht, anders als in vielen anderen Parken." Dennoch sollten gerade Besucher auf Fotopirsch Grenzen respektieren. Ein Albtraum wäre es für Funk, wenn sich an eines Tages Dutzende Hobbyfotografen abseits der Pfade bewegen und dadurch das Wild wie bei einer Treibjagd verschrecken würden. "Es lassen sich auch tolle Fotos schießen, ohne das Gleichgewicht der Natur zu stören. Allein an dieser Stelle könnte ich mich einen ganzen Nachmittag lang verlustieren", sagt Funk, und man glaubt es ihm ohne Weiteres.

Geduld beweisen, sich vorab für ein Thema entscheiden und sich länger mit den Besonderheiten einer Stelle beschäftigen statt auf der Suche nach dem absolut einzigartigen Motiv ruhelos umherzuirren: Das rät er auch Anfängern, die sich das Hobby Naturfotografie erschließen wollen und vor dem ersten Streifzug mit Kamera stehen. "Wenn man einen interessanten Platz entdeckt hat, ist es auch ratsam, immer wieder mit der Kamera dort hinzugehen. Vielleicht ergibt sich dann irgendwann das Detail, dass ein gutes Bild zum besonderen macht", erklärt er. Das könne ein blühender Fingerhut sein oder auch die besondere Atmosphäre eines neblig-feuchten Herbsttages.

Des Försters liebste Jahreszeit im Nationalpark ist allerdings der Frühling. "Den könnte ich das ganze Jahr haben", betont er und verweist auf die winzigen zweiblättrigen Buchenkeimlinge am Waldboden, die dem ungeübten Blick des Reporters zweifellos entgangen wären. Neben dem Schutz von Arten wie der Gelben Narzisse, die nur oder fast nur in der Nationalparkregion vorkommen, sieht er auch den Erhalt der Buche als genuin mitteleuropäische Baumart als wichtige Aufgabe des Projekts an. Am besten - auch fotografisch - nachvollziehen lässt sich deren Schönheit nach Funks Meinung übrigens genau jetzt im Mai: "So eine kräftige hellgrüne Farbe hat das Laub in den Baumkronen nur jetzt. Später wird es deutlich dunkler und lässt weniger Licht durch." Wichtig ist es ihm aber auch zu betonen, dass sich im Nationalpark alle vier Jahreszeiten mit jeweils eigenen Reizen erleben lassen. "Anders als in vielen anderen Regionen in Deutschland haben wir hier auf bis zu 800 Metern Höhe noch einen richtigen Winter."

Bäume und Felsen sind typisch

Einprägsame Fotomotive hält der hoch ambitioniere Autodidakt außerdem für wichtig, um den Nationalpark Hunsrück-Hochwald zu einer Marke für Touristen zu entwickeln. "Ich halte zwar die Musik für die größte aller Künste, aber unsere Wahrnehmung funktioniert nun einmal hauptsächlich über das Auge und verbindet sich dann idealerweise mit anderen Sinneseindrücken", sagt er. Was duftende Zypressen für die Toskana sind, könnten laut Funk für den Hunsrück die typischen Baum-Fels-Formationen sein, die man außer am Beilfels beispielsweise an der Kirschweiler Festung oder am Keltenring findet.

Und wie sieht es aus, wenn er Urlaub macht? "Auch dann habe ich die Kamera natürlich immer dabei. Das ist meine Frau schon gewohnt", berichtet Funk lächelnd. Zahlreiche Nationalparks , darunter in Alaska und dem Yellowstone-Gebiet, hat das Ehepaar schon besucht. "Aber ich bin nicht auf den Wald festgelegt. Das Meer ist genauso faszinierend." Vulkane auf Hawaii zu fotografieren gehört zu den Träumen, die er sich noch erfüllen will.

Erst einmal ist Konrad Funk aber fürs lange Wochenende nach Fürstenfeldbruck gefahren - zum Finale des Naturfotowettbewerbs "Glanzlichter". Drei Tage lang hauptsächlich im abgedunkelten Vorführsaal verbringen, auch das hält der Naturmensch aus, wenn er sich dabei Kniffe seiner Kollegen abschauen kann. Sehr bald wird es ihn nach seiner Rückkehr aber wieder an den Waldrand am Beilfels ziehen. Mit den Waldbeerblüten hat er schließlich noch eine Rechnung offen.