Christgeburt-Spiel : Ein Krippenspiel voller Schlichtheit und Schönheit

Morgen wird im Festsaal der Freien Waldorfschule das Oberuferer Christgeburtsspiel aufgeführt. Sein Ursprung liegt im 13. und 14. Jahrhundert.

Krippenspiele gibt es derzeit im Advent viele zu sehen. Eine Besonderheit ist jedoch das Oberuferer Christgeburtsspiel, das am Mittwoch, 19. Dezember, um 19 Uhr im Festsaal der Freien Waldorfschule in Walhausen aufgeführt wird. Die Requisiten sind spärlich, die Sprache volkstümlich einfach, die Kostüme schlicht und überzeugend. Mit viel Hingabe und Begeisterung hat die elfköpfige Kumpanei aus älteren Schülern und Lehrern der Waldorfschule diese urbildhafte Darstellung des Weihnachtsgeschehens einstudiert, teilt die Schule mit.

Ihren Ursprung haben die Oberuferer Weihnachtsspiele im 13. und 14. Jahrhundert. Sie sind benannt nach dem Dorf Oberufer auf der Donauinsel Schütt in der Nähe von Preßburg (Bratislava). Von Generation zu Generation wurden sie als Volksgut mündlich überliefert. Jährlich mit dem Herannahen der Weihnachtszeit versammelte der Lehrmaster, der die Spiele bewahrte, eine sogenannte Kumpanei aus jungen Dorfburschen um sich, mit denen er die drei Spiele – das Paradeisspiel, das Christgeburtsspiel und das Dreikönigsspiel – einstudierte. Sie wurden dann in der Dorfschenke vor den Bauern des Dorfes aufgeführt.

Der Germanist Karl Julius Schröer entdeckte die Spiele Mitte des 19. Jahrhunderts und sammelte sie als Kostbarkeit der Volkskunst. Rudolf Steiner, Schüler von Schröer und Begründer der ersten Waldorfschule in Stuttgart (1919), überarbeitete die Spiele. Seither hat ihre Aufführung an vielen Waldorfschulen Tradition.

Auch wenn nicht jeder die schlichte und ursprüngliche Mundart ganz verstehen mag, so sprechen die dargestellten Bilder und Gesänge doch für sich: das Geschehen in der Heiligen Nacht und die Geschichte der einfachen Hirten, die von der Geburt des Kindes als Erste erfahren und ihren Weg zur Krippe suchen und finden.