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Hilfskräfte kennen nicht mal Namen der Bewohner

Hilfskräfte kennen nicht mal Namen der Bewohner

Saarwellingen. Gute Pflegebedingungen, und zwar schnell, wünschen sich Günter und Christa Maurer im Saarwellinger Seniorenheim Schulze-Kathrinhof. Ihre demenzkranke Mutter lebt seit Januar in der ersten Etage des Heims, über das die SZ am Wochenende wegen vernachlässigter Bewohner berichtet hat. "Selbstständige Bewohner merken von den katastrophalen Zuständen nichts

Saarwellingen. Gute Pflegebedingungen, und zwar schnell, wünschen sich Günter und Christa Maurer im Saarwellinger Seniorenheim Schulze-Kathrinhof. Ihre demenzkranke Mutter lebt seit Januar in der ersten Etage des Heims, über das die SZ am Wochenende wegen vernachlässigter Bewohner berichtet hat. "Selbstständige Bewohner merken von den katastrophalen Zuständen nichts. Zwar gibt es auch in der ersten Etage seltene Tage, an denen alles passt. Aber dann ist halt mal nur Stammpersonal zuständig", berichtet Günter Maurer. "Die paar Stammkräfte entschuldigen sich für die beschriebenen Dinge", obwohl sie nicht verantwortlich seien, das sei klar die (fehlende) Führung. Haus- und Pflegeleitung sind seit Monaten nur vertretungsweise und kurzfristig oder gar nicht besetzt.Sorge bereitet Maurers, dass Aushilfskräfte weder die Namen der Bewohner noch alle Erfordernisse kennen. "Sie wissen nicht, wer wer ist, und was wer braucht. Aber man muss sich das in den Akten anschauen!", fordern Maurers.

Es reicht eben zum Beispiel nicht, das Essen nur zu verteilen: "Manchem Demenzkranken muss das Essen angereicht, anderen muss es geschnitten werden. Bei anderen reicht es, den ersten Löffel der Suppe zum Probieren zu geben, damit die Erinnerung an den Geschmack abgerufen wird und sie selbst zu essen beginnen", erklärt Christa Maurer. "Die Angehörigen helfen immer gerne, aber mit abnehmender Motivation, weil der Rest im Haus nicht passt."

Nachdem mehr als 20 Angehörige in einem Brief an den Saarwellinger Bürgermeister Michael Philippi von unhaltbaren Zuständen berichtet haben, sprach dieser mit Verantwortlichen des Trägers, der Casa Reha aus Oberursel im Taunus. Er habe hier zwar kaum Einfluss, aber: "Mir geht es um die Menschen, die dort wohnen. Dann kommt lange nichts. Erst später geht es um das Image Saarwellingens." Er lasse aus diesen Gründen nicht locker, das machte Philippi jüngst im Gemeinderat klar.

Nach dem Gespräch mit Casa Reha zeigt sich Philippi zwar zuversichtlich, "aber ich hoffe, dass es kein leeres Gespräch war". Es gab "keine Gegenwehr gegen Beschwerden". Man wolle Probleme lösen.

Derzeit geht es ohne die Angehörigen im Heim nicht, Beispiel Hygiene: Vorige Woche Sonntag hat Günter Maurer die Mutter seiner Frau um 11.30 Uhr besucht. Er erzählt: "Da bin ich bei der Begrüßung an ihrer Hand kleben geblieben." Sie frühstücke mit den Fingern. Aber niemand habe hinterher das verteilte Essen weggewischt.

Das Ehepaar Maurer will "niemandem im Haus schaden". Auch in dem Brief an Philippi steht: "Wir wollen mit diesem Schreiben niemandem was Böses, wir wollen alle nur, dass unsere Angehörigen gut versorgt werden."

Fragen unserer Zeitung zu den Zuständen im Schulze-Kathrinhof liegen der Geschäftsführung seit Freitag vor. Die Antworten hat diese bis Redaktionsschluss gestern aber noch nicht beantwortet. "Da bin ich bei der Begrüßung an ihrer Hand kleben geblieben."

Günter Maurer über seine Angehörige