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Urinflecken auf dem Sofa"Wir arbeiten an den Prozessen"

Urinflecken auf dem Sofa"Wir arbeiten an den Prozessen"

Saarwellingen. Katastrophale Zustände beklagen Günter und Christa Maurer im Saarwellinger Schulze-Kathrinhof. Sie haben eine Mutter in dem Seniorenpflegeheim der Casa Reha Holding GmbH untergebracht. Gefährlich etwa sei dort die Medikamentenausgabe. Günter Maurer: "Aushilfskräfte fragen Angehörige, wer Herr XY sei, weil der gerade ein Medikament bekommen soll

Saarwellingen. Katastrophale Zustände beklagen Günter und Christa Maurer im Saarwellinger Schulze-Kathrinhof. Sie haben eine Mutter in dem Seniorenpflegeheim der Casa Reha Holding GmbH untergebracht. Gefährlich etwa sei dort die Medikamentenausgabe. Günter Maurer: "Aushilfskräfte fragen Angehörige, wer Herr XY sei, weil der gerade ein Medikament bekommen soll." Nicht auszudenken, was Folge einer Verwechslung sein könnte.Eigentlich hatten Günter und Christa Maurer ihre pflegebedürftige Mutter in einem Heim in ihrer Nähe unterbringen wollen, damit sie ihr viel Gesellschaft leisten können. Stattdessen sind sie nun eher damit beschäftigt, ihre Grundversorgung sicherzustellen: "Wir verlangen keine Perfektion, aber es gibt Unzulänglichkeiten, die wir nicht hinnehmen wollen."

Viele Personalwechsel

Vernachlässigte Heimbewohner, mangelhafte Nagel- und Zahnpflege, unregelmäßiges Waschen, ausgebliebene Toilettengänge, benutzte Windeln im Zimmermülleimer, Urin- flecken inkontinenter Heimbewohner auf Sofas in Gemeinschaftsräumen, ungereinigte Teppiche, eingekotete Kleidung in Wäscheboxen, schmutzige Rollstühle und Zimmer: Das sind nur einige der erschreckenden Dinge, die weitere Angehörige, mehr als 20, in einem Brief an den Saarwellinger Bürgermeister Michael Philippi beschreiben. Dieser Brief liegt der SZ vor.

Das Ehepaar Maurer hatte die Öffentlichkeit in der jüngsten Ratssitzung gesucht.

Seit ihre Angehörige, Christa Maurers 85-jährige Mutter, Anfang des Jahres in den Schulze-Kathrinhof zog, habe die Hausleitung fünf Mal gewechselt, die Pflegeleitung zwei Mal.

"15 Mitarbeiter haben im letzten Halbjahr gekündigt", sagt Günter Maurer der SZ. "Da ist ein stetes Kommen und Gehen. Wer sich beschweren will, weiß gar nicht, bei wem."

Beim Essen gebe es regelmäßig Schwierigkeiten: Bewohner erhielten das falsche Essen. Wer keine Zähne habe, bekomme trotzdem keine passierte Kost. Wer Vegetarisches möchte, habe Fleisch. Wer zwar selbst essen könne, aber wegen gestörter Motorik Probleme mit Suppe habe, bekomme trotzdem Brühe.

"Pfleger können kein Deutsch"

"Die Leihkräfte sind überwiegend zur Mittagszeit selbst beim Essen", sagt Christa Maurer. Das sei ungünstig, denn von etwa 16 Bewohnern in der ersten Etage seien, je nach Tagesform, mehr als die Hälfte nicht in der Lage, selbst zu essen. Wenn das Pflegepersonal fehle, könne keiner helfen. Auch seien Pfleger übermüdet, weil das Heim "auf eigene Rechnung arbeitende Pflegekräfte oft 20 Stunden einsetzt", sagt Günter Maurer.

Für die Angehörigen beginnt das Problem aber schon bei der Verständigung. Das Leihpersonal spreche oft wenig oder gar kein Deutsch. Dazu ärgerten viele Dinge, die selbstverständlich sein sollten: Es gebe etwa regelmäßig keine Handtücher im Bad. Frottee-Vorbinder (wie ein Handtuch mit Loch), die über den Kopf gezogen die Kleidung beim Essen schützen, gebe es schlicht nicht mehr.

Auch das Bett habe vorige Woche zwei Mal nicht gut ausgesehen, wann es frisch gemacht worden sei, wissen Maurers nicht. Wer die Sauberkeit anspreche, erhält nach den Angaben im Brief der Angehörigen die Antwort: "Sie sind hier in einem Seniorenheim und nicht im Grand-Hotel."Oberursel. Die Casa-Reha-Geschäftsführung in Oberursel im Taunus habe von der Unruhe gehört, sagt Sprecher Ralf Krezin. "Die gibt es immer bei Übergängen. Aber wir arbeiten an den Prozessen." Die Heimleitung sei 2012 mit wechselnden "Interimslösungen" besetzt gewesen, "weil wir mit Sorgfalt eine Leitung finden wollten". Im neuen Jahr komme ein fester Heimleiter. Bereits jetzt sehe man Fortschritte. Krezin: "Vor Ort sagt man, jetzt sei ein liebevoller Umgang da." Die Pflegedienstleitung sei "interimsmäßig" besetzt. Alle Schritte seien mit den Behörden abgestimmt. mcs

Meinung

Doppelter Skandal

Von SZ-RedakteurinMichaela Heinze

Was hier im Schulze-Kathrinhof passiert, ist ein Skandal im doppelten Sinn. Da sind zum einen die verheerenden Zustände, die Angehörige beschreiben. Diese Mängel darf es gar nicht geben. Zum anderen schauen die Verantwortlichen beim Träger Casa Reha seit Monaten zu und sagen, man arbeite daran. Warum erst jetzt? Sofort abstellen!