Jury lauscht spanischen Klängen

Jury lauscht spanischen Klängen

Dillingen. Der junge Mann vorn auf der Bühne tritt vom Dirigentenpodest. Dominik Berdin, ein schlanker Mann mit Brille und dunklem Haar, hält den Taktstock in drei zitternden Fingern. Und wartet. Scheinbar endlose zwei Minuten lang. Er streicht sich eine Strähne aus der Stirn, legt sich die Hand auf den Bauch, zur Beruhigung

Dillingen. Der junge Mann vorn auf der Bühne tritt vom Dirigentenpodest. Dominik Berdin, ein schlanker Mann mit Brille und dunklem Haar, hält den Taktstock in drei zitternden Fingern. Und wartet. Scheinbar endlose zwei Minuten lang. Er streicht sich eine Strähne aus der Stirn, legt sich die Hand auf den Bauch, zur Beruhigung. Stille in der Dillinger Stadthalle, Juroren kritzeln vor sich hin. Dann ein Nicken vom Tisch der Wertungsrichter - es geht weiter.

Aufgeregt ist der junge Dirigent nicht wegen der etwa 80 Zuhörer im Saal. Sondern wegen der drei Juroren vor ihm. Der Bund Saarländischer Musikvereine (BSM) veranstaltet an diesem Nachmittag im Musikkreis Saarlouis das erste von fünf Wertungsspielen. Hier spielen die Orchester vor einer fachmännischen Jury, die ihre Leistung beurteilt und ihr Können einstuft.

Rund 300 Musiker

Rund 300 Musiker tummeln sich vor der Dillinger Stadthalle, schleppen Schlagzeuge, in der Sonne glänzen Blasinstrumente, Notenständer. Die Farbe ihres Blazers zeigt an, in welchem Verein sie spielen, die Anstecknadeln daran, wie viel Erfahrung sie haben. Graue Herren tragen ihre Tuba im federnden Gang neben sich her, ihr Kragen ist unter den Broschen kaum noch zu sehen. 13-Jährigen tragen stolz ihre erste Anstecknadel.

Für jeden Schwierigkeitsgrad wählt der Musikbeirat des BSM drei Stücke zum diesjährigen Schwerpunktthema Spanien aus. Jedes Orchester spielt eines dieser drei und ein weiteres aus dem Repertoire. Spanien vertonen die Musiker mit schnellem Rhythmus, mit Kastagnetten und indem sie auch mal klatschen statt trompeten.

Zwischen den beiden Stücken eines jeden Orchesters, wenn die Juroren eifrig schreiben, die Zuhörer einander zunicken und der Dirigent nervös auf der Bühne auf und ab geht, tönen die letzten Proben des folgenden Orchesters aus den Übungsräumen in den Saal.

Dominik Berdin ist zurück auf seinem Podest. Nach Llanos "Cataluña" spielt das Jugendorchester Lisdorf-Picard jetzt "Olympic Tune" von Thomas Berghoff. Vereinzelt wippen Füße mit, stampfen leise im Takt aufs Parkett. Berdins Jackett flattert mit seinen Bewegungen, er stampft auf, fuchtelt, gestikuliert wild mit den Armen, nur eine Sekunde Zeit, um die Noten umzublättern. Die Wertungsrichter sitzen in einer Reihe, alle mit Jackett und tief auf der Nase sitzender Brille. Mit strengem Blick und Kugelschreiber in der Hand verfolgen sie die Partituren vor sich, ab und zu zuckt eine Hand im Takt der Musik.

42 Musikvereine gibt es im Musikkreis Saarlouis, aber nur sieben Orchester spielen an diesem Nachmittag vor. "Ich finde das sehr schade", sagt Markus Winter, Moderator des Abends, kopfschüttelnd. Es gebe Dirigenten, das sagt er mit den Händen in den Hüften, die es nicht für nötig halten, sich und ihr Orchester von Fachkräften bewerten zu lassen. "Dabei bekommt man hier doch konstruktive Kritik. Und es ist immer auch gut, sich andere Orchester anzuhören." Der Dirigent müsse den Verein motivieren, er habe die Verantwortung für Engagement und Können der Musiker.

Dirigent trägt Verantwortung

Das Orchester spielt, der Dirigent muss gerade stehen für das, was zu hören ist. Berdin steckt die Kritik fürs Orchester ein. Die Wertungsspiele nutzt er als Wegweiser. Mit zehn Jahren hat er im Orchester angefangen. Heute verbeugt er sich nach dem Auftritt als Dirigent - auch für sein Orchester.

Hintergrund

Wertungsspiele bieten Blasorchestern die Möglichkeit, den eigenen Leistungsstand von einer fachmännischen Jury prüfen zu lassen. Unter Wettbewerbsbedingungen beurteilen die Wertungsrichter das Können des Orchesters. Wertungsspiele des Bundes Saarländischer Musikvereine finden alle zwei Jahre in den Musikkreisen des Saarlandes statt und haben jedes Mal ein anderes Schwerpunktthema.

Thomas Schmitt dirigiert das Orchester des Musikvereins Altforweiler. Es spielt James Swearingens "Aventura". Foto: Jenny Kallenbrunnen.

Der Bund Saarländischer Musikvereine umfasst rund 200 Musikvereine mit über 390 Orchestern. kj