Stolpersteine wider das Vergessen

Stolpersteine wider das Vergessen

Saarlouis. Mit der Aktion "Stolpersteine" will nun auch die Stadt Saarlouis ein Zeichen wider das Vergessen setzen. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte seit 1997 über 23 000 Steine mit Namen und Daten von Opfern des Dritten Reichs an über 500 Orten in Europa

Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine. Foto: Heike Theobald.

Saarlouis. Mit der Aktion "Stolpersteine" will nun auch die Stadt Saarlouis ein Zeichen wider das Vergessen setzen. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte seit 1997 über 23 000 Steine mit Namen und Daten von Opfern des Dritten Reichs an über 500 Orten in Europa. Die Kreisstadt möchte den Akt selbst einbinden in eine Reihe weiterer Aktivitäten, die Raum geben sollen, die Geschichte der Gewaltherrschaft aufzuarbeiten. Dazu soll ein Arbeitskreis gebildet werden, der am Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis installiert wird. Zu einem Informationsabend lud die Kreisstadt gemeinsam mit dem Adolf-Bender-Zentrum am Mittwoch ins Kinder-, Jugend- und Familienhaus ein. "Die Gewaltherrschaft des Dritten Reichs ist eine Geschichte, die in Saarlouis eine wesentliche Rolle spielte, es ist eine Zeit, die nicht fehlen darf", sagte Oberbürgermeister Roland Henz. Im Sommer bekam die Stadt die Zusage des Künstlers, fünf Stolpersteine in Saarlouis zu verlegen. Angedachter Termin: April 2011. "Eine gesellschaftliche Relevanz zu schaffen ist womöglich das Größte an dieser Aktion", sagte Kulturamtsleiter Walter Birk. Um das zu erreichen, soll in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum ein Arbeitskreis gebildet werden, der gemeinsam recherchiert, Themen ausarbeitet, Rahmenprogramme auf den Weg bringt und am Ende das Gesamtergebnis in einer Broschüre festhält. Willi Portz, Geschäftsleiter des Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel, gab dazu einige Ideen mit auf den Weg. Über intensive Recherche könnten zum Beispiel weitere Saarlouiser Opfer gefunden werden. Bisher hat das Zentrum eine Liste von 80 Opfern erstellt, ausschließlich jüdische Verfolgte. Zeitzeugen sollte der Arbeitskreis ausfindig machen, die ihre Erlebnisse schildern. Themen könnten ausgearbeitet werden über Widerstand und Verfolgung, Jugend im Nationalsozialismus oder Menschenrechte, zum Rahmenprogramm sollten Ausstellungen, Fachvorträge und Zeitzeugengespräche gehören.Wessen Namen auf die Steine gehören, soll der Arbeitskreis bestimmen. Der Künstler legt Wert darauf, dass die Steine nur vor den Häusern verlegt werden, in denen die Opfer zuletzt lebten. Wer sich am Arbeitskreis beteiligten wollte, trug sich am Mittwochabend in eine Liste ein. Birk möchte noch im November ein erstes Treffen organisieren.

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