Deutliche Worte zur Nazi-Zeit

Saarlouis. Die Odyssee durch deutsche Konzentrationslager begann für den damals 17-jährigen Juden aus Prag im Jahre 1942. Sie endete 1945 nach einem der so genannten Todesmärsche. "Wollt ihr meine Füße sehen? Ich habe keine Zehen mehr am rechten Fuß, zum Teil keine mehr am linken." Von rund 3500 Häftlingen seien im eisigen Januar nur etwa 300 mit dem Leben davon gekommen

Saarlouis. Die Odyssee durch deutsche Konzentrationslager begann für den damals 17-jährigen Juden aus Prag im Jahre 1942. Sie endete 1945 nach einem der so genannten Todesmärsche. "Wollt ihr meine Füße sehen? Ich habe keine Zehen mehr am rechten Fuß, zum Teil keine mehr am linken." Von rund 3500 Häftlingen seien im eisigen Januar nur etwa 300 mit dem Leben davon gekommen. "Die meisten Leute sind nicht gestorben, sie sind krepiert." Zeitzeuge John Michael Steiner findet deutliche Worte von den etwa 120 Schülern des Max-Planck-Gymnasiums (MPG) Saarlouis.In den Lagern hätten vor allem die Jüngeren und Gesunden noch eine Chance gehabt, zu überleben. Doch nur 400 bis 600 Kalorien brachte die tägliche dürftige Nahrung; im Winter habe man sich Zementsäcke unter den Pyjama gesteckt, um die Kälte durchzustehen. Und immer wieder Brutalität, Selbstmorde, Menschen, die aus Verzweiflung in elektrische Zäune rannten."Was würdet ihr tun? Das würde ich gerne mal wissen", fragte Steiner zu der Situation, in der Kameraden aus ideologischen Gründen von den Schulen verwiesen und Nachbarn und Freunde zu Untermenschen erklärt wurden. "Ich wüsste nicht, was ich tun sollte", erwiderte ein Schüler nachdenklich. "Und deshalb wurde es zur Realität", sagte Steiner, "weil viele nichts getan haben."Alle kamen damals "völlig unvorbereitet in die Hölle", stellte er seine Erfahrungen im KZ Theresienstadt, in Auschwitz und Dachau dar. "Ohne Ahnung, wie man überleben konnte." Der Selbsterhaltungstrieb sei dort stärker gewesen, als die Moral. "Das habe ich immer zugegeben, und schäme mich noch heute dafür." Die regen Fragen der 15- bis 16-Jährigen des MPG zeigten ihre Schwierigkeiten, das damalige Geschehen wirklich nachzuvollziehen.Wie sich die Täter rechtfertigten, fragte ein Schüler. Manche hätten geglaubt, es mit Untermenschen zu tun zu haben, weiß Steiner aus Gesprächen mit KZ-Wachleuten. Andere sagten, sie hätten Befehlen gehorcht. "Aber das sind Ausreden. Das Schlimmste, was ihnen passieren konnte, war der Einsatz in der kämpfenden Truppe." Steiners Kernbotschaft: "Ihr habt eine Aufgabe. Das zu verhindern, was uns passiert ist."