Spätlese einer Venedig-Fahrt

Saarlouis. Zwischen 1993 und 1998 fuhren insgesamt 40 Studierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar mit Jo Enzweiler, bis 1999 Professor für Malerei, nach Venedig. Insgesamt fünf Grafikmappen sammelten deren künstlerischen Ertrag. Die Ausstellung "Venezia Due" zog 1999 Bilanz. Jetzt, zehn Jahre danach, erfolgt die Bilanz der Bilanz und nennt sich "Venezia Tre"

Saarlouis. Zwischen 1993 und 1998 fuhren insgesamt 40 Studierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar mit Jo Enzweiler, bis 1999 Professor für Malerei, nach Venedig. Insgesamt fünf Grafikmappen sammelten deren künstlerischen Ertrag. Die Ausstellung "Venezia Due" zog 1999 Bilanz. Jetzt, zehn Jahre danach, erfolgt die Bilanz der Bilanz und nennt sich "Venezia Tre". "Wir müssten noch mal nach Venedig", fasst Dirk Rausch, Exkursionsteilnehmer von einst und heute Leiter der Siebdruckwerkstatt der Kunsthochschule, die Stimmen aus dem Teilnehmerkreis zusammen. Ja, aber anders, vor allem kein Schwelgen in Erinnerungen: "Viel zu nostalgisch", beschied Jo Enzweiler und kombinierte den Rück- mit dem Ausblick. "Wir wollten feststellen, was aus den einzelnen Teilnehmern geworden ist", erklärt er. Darum breitet die Ausstellung in der Kaserne VI nicht nur die einzelnen Blätter der sechs Mappenwerke im langen Flur aus, sondern zeigt in den Gewölbekammern aktuelle Arbeiten von 27 Teilnehmern. Das liegt ganz auf der Linie des von Enzweiler 1993 gegründeten und bis heute von ihm geleiteten, im Laboratorium am Choisyring untergebrachten, Institut für aktuelle Kunst im Saarland. Auch hier wird im 15. Jahr nicht zurückgeschaut, sondern mit dem Projekt eines Stiftermuseums nach vorne. Damit schloss sich ein weiterer Kreis, denn Claudia Maas, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, war damals bei den Venedig-Exkursionen als Kunsthistorikerin mit dabei. In Zusammenarbeit mit dem Institut entstand ein Fragebogen, der allen Exkursionsteilnehmern zuging. Das war soweit nicht ungewöhnlich, da die Exkursion in einen kommunikativen Prozess gebettet war. Kurzum, "es wurde in der Nachbereitung der Exkursion im Seminar noch viel diskutiert, bis eine Grafik gedruckt wurde", beschreibt Dirk Rausch den Ablauf. Darum ist der Katalog kein Beiwerk zur Schau, sondern deren zweite Hälfte. Er klärt aus der Distanz der heute im Beruf stehenden Absolventen, welche Bedeutung das Studium in Saarbrücken hatte und welche Bedingungen der Künstlerberuf dem Alltag vorgibt. Praxis und Theorie, aktuelle künstlerische Arbeit und Studienarbeit verbunden mit dem Nachdenken über den Beruf, das macht die Ausstellung aus. Auch die dafür vorgesehene Tour hat Tradition bei Enzweiler-Projekten. In Venedig war sie schon zu sehen. Von Saarlouis wird sie in den nächsten beiden Jahren noch nach Luxemburg und Berlin wandern.

Auf einen BlickEröffnung an diesem Sonntag, 18. Januar, um elf Uhr. Ausstellung bis 1. März. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von zehn bis 13 und von 14 bis 17 Uhr. Samstag, Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Katalog: 15 Euro. sg