| 20:34 Uhr

Kita-Plätze in Saarlouis
Bedarf an Kita-Plätzen wächst weiter

Kreative Lösungen sind gefragt: Wie hier in der Kirche Christkönig, in die eine Kita eingebaut wurde. Das Foto zeigt den Umbau, die Kita in Roden ist längst bezogen.
Kreative Lösungen sind gefragt: Wie hier in der Kirche Christkönig, in die eine Kita eingebaut wurde. Das Foto zeigt den Umbau, die Kita in Roden ist längst bezogen. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Die Stadt Saarlouis kommt dem Bedarf kaum nach: Derzeit fehlen 42 Plätze in Krippen und 77 in Kindergärten. Trotz Neubauten. Von Johannes Werres

Zur Erfüllung des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz in Saarlouis müssen die Einrichtungen in der Stadt noch erheblich ausgebaut werden. Mehrbedarf gibt es auch bei den Krippenplätzen. Das ergibt sich aus der jüngsten, noch nicht offiziell verabschiedeten Vorschulentwicklungsplanung (VEP), die der Landkreis vorlegt. Im Sozialausschuss erläuterte jetzt Alexander Guß vom zuständigen städtischen Amt die Zahlen.


Danach fehlen in Saarlouis im laufenden Kindergartenjahr 42 Krippenplätze. Das entspricht vier Gruppen. Noch 2020 wird mit 23 fehlenden Plätzen gerechnet. Da sind schon zwei Gruppen eingerechnet, die bisher nur auf dem Papier bestehen.

Aktuell halten in Saarlouis 13 Einrichtungen 240 Krippenplätze vor. 124 davon sind in fünf städtischen Einrichtungen, 88 in denen der katholischen Kita gGmbH. Über weitere 17 Plätze verfügt der freie Träger Cinderella, über elf die evangelische Kirche.



Die Zahl der Kindergarten-Plätze (ab drei Jahren) in 14 Einrichtungen in Saarlouis beträgt 1014. Die sechs städtischen Einrichtungen kommen auf 503 Plätze. Die acht Häuser der freien Träger verfügen aktuell über 511 Plätze.

Diesen zusammen 1014 Plätzen steht ein Bedarf von 1091 Plätzen aktuell gegenüber. Bis 2020 werden laut Guß 1146 Plätze gebraucht. Auch nach Fertigstellung des Neubaus der städtischen Kita in Roden und der Erweiterung der Kita Metzer Wiesen fehlen dann immer noch zwischen 46 und 73 Plätze.

Das sind die statistischen, also theoretischen Zahlen. Der tatsächliche Bedarf in den nächsten Jahren kann ganz anders aussehen. „In der Regel noch höher“, sagte Guß im Ausschuss. Und da war die große Neuansiedlung von Nobilia auf dem Lisdorfer Berg mit bis zu 1000 Mitarbeitern noch gar nicht auf dem Schirm.

Derzeit behilft sich die Stadt mit Überbelegungen in ihren Einrichtungen. Entspannung wird erst die Vollendung zahlreicher Baumaßnahmen bringen. Bis dahin aber kann die Stadt nicht auf immer größere Überbelegung setzen.

Die Stadt könnte zum Beispiel, so hieß es im Ausschuss, die stillgelegte Kita Neuforweiler sanieren und reaktivieren. Dies könnte in einer Kooperation mit der Kinderland gGmbH des Kreises erfolgen. Eine solche Lösung gab es schon öfter.

Hier hätte sie den willkommenen Nebeneffekt, noch ein anderes Problem zu lösen: Bis zu zehn Kinder der neuen Kita Neuforweiler müssen ab Juni 2019 Anschluss in einer fremden Kita finden, weil in der neuen Einrichtung Kita-Plätze fehlen. Die Kinder könnten bei einer Reaktivierung der alten Kita wenigstens am Ort bleiben.

Mit der Kinderland gGmbH hat die Stadt in Sachen Neuforweiler schon Fühlung aufgenommen. Laut Guß kann ein Vertrag rasch abgeschlossen werden. Das bestätigte in der Sitzung Ralf Weber, Geschäftsführer der Kreis-Einrichtung.

Weber zerstreute auch Hoffnungen, das Problem der fehlenden Kita-Plätze könne durch Tagesmütter gelöst werden. Die Nachfrage sei da. Aber es fänden sich kaum noch Tagesmütter. Die rechtlichen, finanziellen und baulichen Bedingungen für „Großtagespflegestellen“ schreckten möglicherweise ab. Zwölf Kinder unter drei Jahren und drei über drei Jahre würden derzeit von Tagesmüttern betreut. Etwa zur Hälfte sei das nur eine zeitliche Ergänzung zu Kita-Plätzen.