Kolumne Apropos : Die Altstadt soll wieder werden, was sie nie war

Die Saarlouiser Bürgermeisterin hat dazu aufgerufen, die Altstadt wieder zu dem machen, was sie mal war. Aber will sie das wirklich?

Marion Jost wünscht sich ein neues Rotlichtviertel für Saarlouis“ hätte die Schlagzeile am Samstag in der SZ lauten können. Oder: „Saarlouiser Bürgermeisterin will wieder mehr Autos in der Altstadt“. Nach dem, was die frisch ernannte Altstadt-Innenministerin Jost sich zur Eröffnung des Altstadtfestes gewünscht hatte: Nämlich mit vereinten Anstrengungen dafür zu sorgen, „die Altstadt wieder zu dem zu machen, was sie mal war.“

Was die Altstadt von Saarlouis früher einmal war, können Zeitzeugen noch schildern: Eine No-Go-Area für brave Bürger, zwielichtiges Rotlichtviertel mit verkommenen Gestalten, rund um das Bermuda-Dreieck, wo sich Sonnen-, Bier- und Alte Brauereistraße, damals noch für den Autoverkehr freigegeben, treffen. Erst in den 70-er Jahren eröffneten die ersten Schüler-Kneipen: Startschuss für die längste Theke des Saarlandes, für die Saarlouis lange Zeit berühmt war.

Was Jost mit ihrem Aufruf gemeint haben dürfte, war wohl eher: die Altstadt zu dem zu machen, was sie noch nie war. Nämlich ein gemütliches, attraktives Gastronomie-Viertel, mit einem breiten Mix, der für jede Zielgruppe von Jung bis Alt, von Rocker bis Clubgänger etwas bereithält. Heute besteht die Altstadt vor allem aus Shisha-Cafés, Imbissen und genau einer Handvoll knapp überlebender, alteingesessener Kneipen (Black Out, Irish Pub, 7. Himmel, Schwaggi, Humpen, Le Copain).

Wenn die Saarlouiser Altstadt überhaupt so etwas wie eine goldene Zeit erlebt hat, dann war es wohl noch am ehesten die frühen 2000-er Jahre: Als fast alle Lokale vermietet waren, verschiedene Konzepte mit Getränke- und Musikangebot konkurrierten, die Terrassen und Theken nicht nur am Wochenende voll waren und man Auswärtige stolz herumführen konnte.

Selbst zu dieser Zeit des Booms war die Altstadt aber, obwohl man gern mit ihr geworben hat, der Stadtverwaltung doch vor allem ein Dorn im Auge: Denn Feierlaune und massenhafter Alkoholkonsum zogen Exzesse, Schlägereien, jugendliche Schnapsleichen und ein riesiges Müllproblem nach sich. Nicht umsonst gründete die Stadtspitze das SOS-Netzwerk (Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit), seit 2008 patrouillieren private Sicherheitsdienste. Das „Freitagabends-Event“ bereitete Polizei und Ordnungsamt damals einiges Bauchweh. Und diese Zeiten wünscht sich Jost doch sicher auch nicht zurück?