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Kolumne Unsere Woche
Unsere schöne Sprache lebt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es sind die wirklich großen Männer unserer Zeit, denen es gelingt den deutschen Wortschatz zu bereichern. Innenminister wie Horst Seehofer und Thomas de Maizière sind da Beispiele, Thomas Hartz hat’s auch geschafft. Aber der Löw Jogi?

Wirkungsgleich. Diese Kreation sei horstseidank in aller Munde, war zu lesen. Das Wort, das der Duden bislang nicht kannte noch nannte, gab es allerdings doch, nämlich in Bezug auf Medikamente (was dann zum Teil wieder zu „in aller Munde“ passt). Sachlich richtig wäre es genutzt, wenn unterschiedliche Präparate die gleiche Wirkung erzielen. Dass im Zusammenhang mit Migration, Asyl und vor allem einer unsäglichen Politik-Erpressungsgeschichte Seehofers Wortanwendung schräg ist, bleibt aber natürlich unstrittig.


Oder wollen wir dem Heimatminister zugute halten, er sei kreativ gewesen und habe immerhin belegt, dass unsere Sprache lebt? Will ich nicht, weil es eine schöne Sprache ist, die auf hässliche Lebens- wie Liebesbeweise verzichten kann. Kein „Seehofern“ mehr bitte, Herr Minister. „Hartzen“ als (Un-)Tätigkeitswort ist schlimm genug, und „DeMaizieren“ für „Dinge nicht ansprechen, die verunsichern könnten“ hat sich auch nicht durchgesetzt.

Versprochen wird zum Ausgleich, dass wir es unterlassen, an dieser Stelle das Tu-wort oder auch Verb „löwen“ einzuführen. Obwohl das ja eigentlich neuerdings alle sehr gut als zusammenfassendes Kurzwort verstehen für: „nach schonungsloser Analyse Verantwortung übernehmen, indem man alles lässt, wie es ist“.

PS: Nachdem „zsmmn“ auch ein ziemlicher Griff ins Klo war, sollten wir künftig doch besser auf Kunststücke ohne Selbstlaute vrzchtn. Unserer schönen lebenden Sprache zuliebe.