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Kolumne Apropos: Puzzle ist eine Sucht und Trend

Kolumne Apropos : Der Trend zum langweiligen Hobby

Aus hunderten und tausenden Teilen stundenlang ein Katzenfell, Hamburg bei Nacht, kleine Törtchen oder speckige Babys in Blumentöpfen zusammensetzen – wie kann man nur? Ähm, das geht ganz gut: So manchen Abend hocke ich über meiner Filzmatte, wühle mich eifrig, ja, besessen, durch Kisten, dabei flüstere ich mantraartig: „kleiner weißer Wimpel, kleiner weißer Wimpel...“ oder „drei nach außen, braun, drei nach außen, braun...“ Kenner wissen: Das Schlimmste ist blauer Himmel.

Oder Meer.

Zugegeben, es ist ein schon fast peinlich langweiliges Hobby. Aber wer einen aufregenden Beruf und ein turbulentes Familienleben hat, sehnt sich in der knappen Freizeit nicht mehr nach Nervenkitzel, sondern nach ein bisschen Biedermeier. Völlig undigital, eintönig, sinnfrei. Das Gefühl tiefer Befriedigung, das richtige Teil in die richtige Stelle gedrückt zu haben – das ist Entspannung.

Einen unübersichtlichen Haufen vieler kleiner Teile zu sortieren, den Wust zu ordnen und zusammenzusetzen, sodass er am Ende ein stimmiges Bild ergibt – das passt wohl gut in unsere komplizierter werdende Welt: Der Spielehersteller Ravensburger hat jedenfalls 2019 einen „Trend zum Puzzeln“ ausgemacht. Er verkaufte weltweit fast 20 Prozent mehr Erwachsenen- und Kinderpuzzles, insgesamt 21 Millionen Stück. Ich bin also nicht allein mit meiner heimlichen Sucht.