Redaktions-Unworte 2019: Das ist einfach würdelos

Redaktions-Unworte 2019 : Das ist einfach würdelos

Die inzwischen wohl bekannteste Klimaschutzaktivistin der Welt bewegte 2019 zahlreiche Gemüter. Spätestens mit seiner Wutrede im September zog das Mädchen aus Schweden aber auch einen beispiellosen und ekelerregenden Hass, insbesondere in den Kommentarspalten im Internet, auf sich.

Man muss sie nicht mögen, um festzustellen: Der unterirdische Ton dieser verbalen Entgleisungen gegenüber einer Jugendlichen ist unter jeder Würde. Der Hashtag „Gretajünger“, der bei Twitter meist gleichrangig neben Schlagwörtern wie „Verbotsnazi“, „Ökofaschist“ oder „Klimahysteriker“ verwendet wird, zeigt dabei sinnbildlich, dass es den Nutzern weniger um die Sache geht als um Beleidigung und Diskriminierung Andersdenkender. Ist der Klimawandel denn eine Glaubensfrage, fern jedes wissenschaftlichen Belegs? Den Klima-Demonstranten wird unterstellt, dass sie ihrer Heiligen mit ihrer Botschaft in religiöser Verehrung blind folgen. Wer sich Sorgen um das Klima und die Zukunft macht, ist ein „Faschist“, wer auf Fleisch oder das Fliegen verzichtet, hysterisch und wer von anderen auch Verzicht fordert, ein Nazi? Vergleiche mit dem Faschismus sind in dem Zusammenhang besonders albern, da die Fridays-for-Future-Bewegung fern eines autoritären Systems völlig friedlich und ernsthaft auf die weltweite Klimaveränderung aufmerksam macht.