Redaktions-Unworte 2019: Diese Prüfung ist ein Hohn

Redaktions-Unworte 2019 : Diese Prüfung ist ein Hohn

Es gibt viele Wörter, die mir im vergangenen Jahr nicht gefallen haben, einschließlich der Politiker, die diese ausgesprochen haben. Aber ein Wort überflügelt nach meiner Meinung alle Misstöne, die wir im Laufe des Jahres über uns ergehen ließen.

Für mich ist Bedarfsprüfung das Unwort des Jahres. Genervt hat zum einen die monatelange Zofferei um das, was nur richtig ist: dass Rentner, die länger als 35 Jahre in die gesetzliche Rentenkasse gezahlt haben, endlich Auskommen mit dem Einkommen haben. Auf den Keks gingen mir auch jene, die mit Verweis auf das Steuersäckel gebremst haben. Ich bin gespannt, ob sie auch so sparsam denken und vor allen Dingen handeln, wenn es um nächste Erhöhung ihrer Diäten und die Anpassung ihrer Ruhegehälter geht. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres wurden die Diäten der Bundestagsabgeordneten angehoben: Mit dem 1. Juli stiegen sie erstmals auf mehr als 10 000 Euro. Und das alles ohne Prüfung. Dagegen lassen sich die Politiker mit der Grundrente für Geringverdiener Zeit. Für den 1. Januar 2021 ist sie vorgesehen – mit einer „umfassenden Einkommensprüfung“.