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Interview mit KSK-Chef Horst Herrmann
Dieses Mal vergibt der KSK-Direktor Note 1

Die Kreissparkasse Saarlouis hat im Geschäftsjahr 2017 sehr gut abgeschnitten. Die Zukunft dürfte aber herausfordernd werden.

Welche Schulnote vergeben Sie für das Ergebnis der Kreissparkasse Saarlouis im Geschäftsjahr 2017?


Horst Herrmann: Unser Ergebnis ist gegen den allgemeinen Trend im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – und das deutlich. Gemessen an den extrem herausfordernden Rahmenbedingungen verdient dies somit aus meiner Sicht die Note 1.

Was sind dafür die wichtigsten Ursachen?

Herrmann: Ausschlaggebend dafür war sicherlich die gute wirtschaftliche Entwicklung, die sich positiv im Kreditgeschäft niedergeschlagen hat. So ist allein der Bestand an Unternehmenskrediten um 6,7 Prozent gewachsen. Zudem hat die positive Konjunkturlage zu einem spürbaren Rückgang der Insolvenzen und Wertberichtigungen geführt. Im privaten Kreditgeschäft wurde nach wie vor das niedrige Zinsniveau genutzt, um in die eigenen vier Wände zu investieren. Auch die Wertpapiermärkte haben sich positiv entwickelt. Der Dax konnte 2017 immer wieder neue Höchststände feiern. Daher hat sich auch unser Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft fast verdoppelt. Insgesamt haben wir vor allem von unseren vielfältigen Vertriebs- und Qualitätsanstrengungen profitiert. Unsere Aktivitäten in den Auf- und Ausbau von verschiedenen neuen Beratungseinheiten verbunden mit einer bedarfsgerechten, persönlichen und langfristig ausgelegten Beratung werden von unseren Kunden geschätzt und sehr gut angenommen.

Die politischen Zeichen in Deutschland stehen wohl auf Große Koalition. Was von den bisher bekannten Vereinbarungen bereitet Ihnen Sorgen?



Herrmann: Derzeit sehen Pläne der Europäischen Union vor, dass Gelder, die Kunden bei europäischen Banken als Kontoguthaben unterhalten, unter Umständen als Haftungsmasse bei einer Pleite eines Instituts in Europa herangezogen werden könnten, sodass im Endausbau alle europäischen Banken auf ein gemeinsames Sicherungssystem in allen Ländern zugreifen sollen. Für Anleger in Deutschland würde das bedeuten, dass die von ihrem Kreditinstitut angesparten Sicherungsmittel für Bankenpleiten anderer EU-Staaten zweckentfremdet werden könnten. Der Entwurf des Koalitionsvertrages sieht vor, dass die Groko dies verhindern möchte. Ob dies jedoch gelingt, bleibt abzuwarten.

Bieten die schwarz-roten Pläne auch Aspekte, die Sie positiv bewerten?

Herrmann: Positiv für unsere Branche sehe ich, dass sich die Koalitionäre für eine proportionale und angemessene Bankenregulierung ausgesprochen haben. Die bisherige Regulierung soll auf den Prüfstand gestellt werden. Es soll künftig differenziert werden, ob es sich um ein Institut mit einem risikoarmen Geschäftsmodell handelt, wie es beispielsweise bei den Sparkassen oder Genossenschaftsbanken der Fall ist, oder um eine systemrelevante Großbank. Für die Verbraucher sehe ich Vorteile beim vorgesehenen Baukindergeld und bei den Plänen zur Verbesserungen der Wohnungsbauprämie. Denn das Eigenheim gehört zu den wichtigsten Zielen von Familien mit Kindern, auch für Zwecke der Altersvorsorge.

Abschließend schauen Sie bitte in die Zukunft. Wie wird die Bankenlandschaft bei uns 2030 aussehen?

Herrmann: Der neueste Bankenreport, der erst kürzlich erschienen ist, geht davon aus, dass es in zehn bis 15 Jahren statt der derzeit 1600 Banken lediglich noch 150 bis 300 geben wird, die nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle haben. Dass dies wirklich in diesem Ausmaß passieren wird, bezweifle ich. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass sich die Bankenbranche verändern und die Anzahl der Institute deutlich verringern werden. Die Geschäftsmodelle der deutschen Banken unterliegen in einem hochwettbewerbsintensiven Umfeld einem permanenten Veränderungsprozess: Der Kosten-, Ertrags- und Regulierungsdruck wird weiter steigen. FinTechs oder andere Technologieanbieter werden stärker ins Bankengeschäft eindringen. Gleichzeitig werden auch Kunden durch die Digitalisierung immer anspruchsvoller und erwarten nahtlos miteinander verknüpfte Lösungen, die einfach zu bedienen sind. Neben schlanken multimedialen Prozessen und einer insgesamt effizienten Struktur wird unsere Kreissparkasse Saarlouis weiter den Fokus auf die persönliche Beziehung zum Kunden legen und zwar mit einem vielfältigen Angebot an individuellen und hochwertigen Service- und Beratungsleistungen.

Die Fragen stellte Mathias Winters.

Blickt auf ein Spitzenjahr zurück: KSK-Chef Horst Herrmann.
Blickt auf ein Spitzenjahr zurück: KSK-Chef Horst Herrmann. FOTO: M. SCHOENBERGER / M.SCHOENBERGER AM SOUTYHOF 14 66