„Die Weihnachtszeit hat etwas Magisches“

Serie Im Advent : „Weihnachtszeit hat etwas Magisches“

Im SZ-Adventskalender schauen wir jeden Tag hinter eine Tür: Am 1. Dezember im Altenheim St. Franziskus Dillingen.

„In meiner Kindheit während des Kriegs haben wir wirklich armselige Weihnachten gefeiert und waren doch glücklich, bei der Familie zu sein. Das können sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen“, erzählt die 94-jährige Erna Heffinger, die im Seniorenheim St. Franziskus in Dillingen wohnt und sich schon sehr auf die besinnliche Zeit dort freut.

Dazu hat sie auch allen Grund, denn das christlich geprägte Heim lässt sich zur Weihnachtszeit einiges einfallen, um den Bewohnern eine ansprechende Advents- und Weihnachtszeit zu bieten. Bei dem Besuch der SZ im Rahmen unserer Adventsserie wissen Brigitte Berg, stellvertretende Leiterin der sozialen Betreuung, und Heimleiterin Simone Busch deshalb zunächst gar nicht, wo sie anfangen sollen aufzuzählen: „Unser Angebot versuchen wir sehr abwechslungsreich zu gestalten, die Bewohner aber gleichzeitig nicht zu überfordern – es soll ja eine Zeit der Ruhe und inneren Einkehr sein“, betont Berg.

Angefangen von einer Nikolausfeier, bei der der Weihnachtsmann den Bewohnern kleine Geschenke bringt, über das Zimtplätzchenbacken, bis zu verschiedene Bastel- und Malaktionen, stehen auch Besuche von Kinderchören, Singkreisen und der Katholischen Laienbühne in dem Dillinger Altenheim auf der Liste: „Das Plätzchenbacken macht den Bewohnern sehr viel Spaß, viele erinnern sich auch noch an alte Rezepte – so wird jede Station für die gesamte Weihnachtszeit über mit Gebäck versorgt“, sagt Berg. Außerdem verfügt das Heim über eine eigene Holzwerkstatt, in der von einem Bewohner kleine Weihnachtsfiguren und Schnitzereien für das Haus hergestellt werden: „In der gesamten Adventszeit wird mit den Bewohnern viel gesungen – und sie sind alle sehr textsicher.“

Bei der großen Weihnachtsfeier im Haus am 20. Dezember, bei der auch immer zahlreiche Familienangehörige dabei sind, das Friedenslicht aus Bethlehem, dass die Pfadfindern seit 1994 nach Deutschland bringen, bringt zudem ein Beauftragter aus dem Saardom in die hauseigenen Kapelle: „Das ist nochmal eine ganz besondere Symbolik für unsere Bewohner“, weiß Berg. Dazu wird dann auch eine passende Geschichte vorgetragen: „Auf die Bewohner, die das Bett nicht verlassen können, versuchen die Mitarbeiter ebenfalls verstärkt einzugehen und ihnen einfach ein bisschen Zeit zu schenken und ins Gespräch zu kommen“, sagt Berg.

Für viele ältere Menschen sei Weihnachten mit sehr vielen Kindheitserinnerungen verbunden, die sie in dieser Zeit reflektieren, ein Stück weit „fühlen sie sich auch in diese Zeit zurückversetzt“.

Dass das gesamte Team von St. Franziskus eine tolle Arbeit zur Adventszeit leistet, das findet auch Bewohnerin Erna Heffinger: „Ich bin froh, dass ich hier bin, es wird wirklich immer ein tolles Programm auf die Beine gestellt, vor allem auf das Singen und die Vorführungen freue ich mich immer sehr.“

Heffinger selbst erinnert sich an ein besonderes Weihnachten 1945: Nachdem amerikanische Soldaten ein Teil des Hauses ihrer Familie besetzt hatten und das Weihnachtsfest gekommen war, standen die Soldaten plötzlich mit Geschenken und Essen im Zimmer der bitterarmen Familie und verhalfen ihr zu einem glücklichen Fest, erzählt die Seniorin. In den darauffolgenden Jahrzehnten haben die Heffingers immer gebührend Weihnachten gefeiert: „Ich habe vier prächtige Kinder, zahlreiche Enkel und Urenkel, bei uns gab es immer große Familienfeste zu Weihnachten – wir haben gesungen, gelacht und zusammen Spaß gehabt“, schwelgt die rüstige Rentnerin in Erinnerungen.

Das Altenheim St. Franziskus in Dillingen bietet den Bewohnern zahlreiche Veranstaltungen zur Adventszeit. Die provisorische Hausnummer für unseren Adventskalender ist übrigens selbst gebastelt. Foto: Daniel Bonenberger

Auch die 86-jährige Johanna Breininger erinnert sich gern an die Feste mit der gesamten Familie zurück: „Wir waren ein Mehrgenerationen-Haushalt, wir haben immer alle zusammen gefeiert.“ Weihnachten hatte für sie schon immer etwas Erhabenes und sie fieberte der Zeit ihr Leben lang entgegen, berichtet sie: „Ich weiß noch, dass ich als Kind dann immer mein feines Kleidchen anziehen durfte und wir alle in der guten Stube zusammengekommen sind, es hatte etwas Magisches.“ Das Geheimnisvolle in der Weihnachtszeit hat Breininger fasziniert, so wurde im Elternhaus immer die Tür für das Christkind abgeschlossen und sogar die Weihnachtsplätzchen wurden heimlich von der Mutter gebacken: „Sie hat uns dann mit dem Gebäck überrascht, wir hatten nie viel, durch unsere Familie aber trotzdem alles“, so blickt die 86-Jährige dankbar auf ihr Leben zurück.

Mehr von Saarbrücker Zeitung