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Ottweiler Detektiv steht Ärger ins Haus
„Robin Hood“ der Kleinanleger angeklagt

Die Statue Justizia. (Symbolbild)
Die Statue Justizia. (Symbolbild) FOTO: picture alliance / dpa / Peter Steffen
Saarbrücken/Ottweiler. Der Staatsanwalt wirft Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber aus Ottweiler hunderte Fälle von Untreue und Betrug vor. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Wenn es um dubiose Machenschaften und krumme Geschäfte von Finanzjongleuren, etwa am so genannten grauen Kapitalmarkt ging, war er über Jahrzehnte der viel gefragte Experte: Medard Fuchsgruber (53), Chef einer Wirtschaftsdetektei mit Sitz in Ottweiler, die angeblich international Betrüger und Pleitiers aufspürte und verschollene Millionen von geprellten Anlegern suchte. In vielen seriösen TV-Sendungen über die Methoden der Anlagebetrüger tauchte der Saarländer als Ratgeber und Retter auf.


Berichte in manchen Medien pflegten sein Image als „Robin Hood der Kleinanleger“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), was sicherlich nicht schlecht für das Geschäft war. Zumindest ein Teil der Kundschaft des forschen Privatermittlers, der sich über die Jahre ein eigenes Firmenimperium aufgebaut hat, kam und kommt eben aus dem Kreis der geleimten Klein-Investoren, mit denen wiederum Absprachen über Honorare und Erfolgsprovisionen getroffen worden sein sollen.

Geschäftsmann Fuchsgruber soll zwischenzeitlich in Nordrhein-Westfalen aktiv sein. In Duisburg residiert beispielsweise, so Angaben einer Auskunftei, eine Unternehmensberatung, deren Geschäftsführer und Gesellschafter er ist. Eine eigene Treuhand GmbH soll derweil in Hessen registriert sein, während der einst oft zitierte Verein „Bund der Kapitalanleger“, zu dessen Vorstand der Detektiv gezählt wird, offenbar noch in Ottweiler geführt wird.



Im Saarland steht dem Finanzdienstleister Fuchsgruber großer Ärger ins Haus. Nach jahrelangen Ermittlungen unter dem Aktenzeichen 33 Js 450/15 hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken jetzt Anklage gegen ihn erhoben. Bei Durchsuchungen wurde Beweismaterial beschlagnahmt.

Pressestaatsanwalt Dennis Zahedi listet auf Anfrage unserer Zeitung die Vorwürfe auf: Gewerbsmäßige Untreue in 143 Fällen, Betrug oder Untreue in 39 Fällen, vorsätzliche Insolvenzverschleppung in drei Fällen und Untreue in weiteren 53 Fällen. Auch von Urkundenfälschung ist die Rede. Nach SZ-Informationen gehen die Ermittler von einem Schaden von knapp einer Million Euro aus. Betroffen sind wohl in erster Linie Kunden und private Kleinanleger. Fuchsgruber soll sich vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Saarbrücken verantworten. Er ist übrigens Autor des Buches: „Lizenz zum Betrug: Ein Wirtschaftsdetektiv klärt auf“.

Der Saarbrücker Rechtsanwalt Jens Schmidt verteidigt den beschuldigten Detektiv und Unternehmer. Er sagt, die Anklage sei erst kürzlich eingegangen und müsse noch intensiv geprüft werden. Nach Rücksprache mit seinem Mandanten sei derzeit eine Stellungnahme nicht möglich.

Derweil bemüht sich der Saarbrücker Rechtsanwalt Peter Theiß als gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter, Forderungen der Gläubiger der Fuchsgruber KG mit Sitz in Ottweiler zu vertreten. Fuchsgruber ist hier persönlich haftender Gesellschafter. Bislang haben seine Gläubiger Forderungen in Höhe von 770 000 Euro angemeldet.

Ärger hatte Geschäftsmann Fuchsgruber, der offenbar in ein eigenes Pferdegestüt im Saarland investierte, auch mit Tierschützern und der zuständigen Amtstierärztin. Auf dem Hof sollen schlimme Zustände geherrscht haben, Tiere waren demnach erkrankt, schlecht versorgt und stark abgemagert. Das Kreisveterinäramt nahm ihm letztlich die Pferde weg und verfügte ein Halteverbot. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte mit Beschluss (2B 455/17) das Vorgehen der Behörde.