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Geistliches Wort zu Ostern
Trösten, helfen, loben, Hoffnung sein

Was feiern wir Ostern? Ich denke, man kann am besten verstehen, wenn man von einer der bekanntesten Figuren aus der Bibel spricht: Petrus. Er war ein Fischer wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Viel war da nicht zu erwarten von diesem Leben. Fischen halt, irgendwann sterben. Doch dann war er ins Dorf gekommen: Jesus. Und er sprach ihn an. „Du da, Simon, ich brauche dich. Komm mit mir. Du sollst ab sofort Menschen fischen. Und ich nenne Dich Petrus, das heißt der Fels!“ Wer hätte das gedacht. Er, ein Fels? Er, von Jesus gebraucht? Er, seine Nummer eins! Natürlich ging er mit. Stolz trug er seinen Namen. Überall ließ er sich als die rechte Hand des Messias sehen.

Aber nun? Jesus verhaftet! Die Gruppe seiner Anhänger läuft auseinander! „Bin ich noch Fels? Für wen denn? Für den Verhafteten, Geschlagenen, Ausgelachten mit der Dornenkrone? Einer spricht ihn an: „Du bist doch ‚Petrus‘, der Fels von diesem Verbrecher da!“  „Nein, bin ich nicht. Ich kenn’ den gar nicht.“  „Natürlich bist du es!“, sagt ein anderer. „Nein, niemals!“


Und dann kräht der Hahn. Und Petrus merkt: „Ich habe mein neues Leben, mein gutes Leben, mein Leben an der Seite dieses Mannes, mein Leben als Petrus weggeworfen. Ich hatte Angst um mein Leben und habe es dadurch verloren.“ Nichts bleibt ihm. Er weint bitterlich. Alles ist aus. Er ist wieder Simon, der Fischer, niemand. Niemand braucht ihn.

Doch dann: der dritte Tag danach. Jesus ist wieder da. Jesus lebt. Und er kommt zu Simon, dem Fischer, dem Häuflein Elend, und sagt: „Friede sei mit dir! Jetzt geht’s erst richtig los, Petrus. Jetzt erst siehst du, was das heißt: Messias. Der Sieger über den Tod! Nicht irgendein Prediger nur, der schöne Worte findet, sondern hindurchgegangen durch den Tod und ihn besiegt. Dafür sollst Du Menschen gewinnen, für diesen Glauben: Das Leben siegt.“



Jesus kann ihn gebrauchen, den Versager. Den Glaubensversager. Und er sagt es ihm, denn er ist tatsächlich zurückgekommen, für Petrus, aber auch für Sie und mich. Sind sie etwa auch ein Glaubensversager? Herzlichen Glückwunsch. Sie sind wie Petrus. Er kann Sie gebrauchen. Um dieses neue Leben zu leben durch Wort und Tat. Trösten, helfen, loben, Hoffnung sein: Ostern ist damals passiert, ist dem Simon passiert und passiert Ihnen.

⇥Klaus Künhaupt

Der Autor ist seit elf Jahren Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Merzig und Vorsitzender des Fachausschusses für Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreisverbandes an der Saar.