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Ein altgedienter Seelsorger in Sulzbach
Zum runden Jubiläum kommt er wieder in die Salzstadt

Pastor Anton Franziskus steht in der Kirche Allerheiligen am Ostermontag im  Mittelpunkt.
Pastor Anton Franziskus steht in der Kirche Allerheiligen am Ostermontag im  Mittelpunkt. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach/Neuweiler. Von Stefan Bohlander

Wenn am Ostermontag in der katholischen Kirche Allerheiligen das Hochamt gefeiert wird, steht ein Mann im Mittelpunkt: Anton Franziskus. Der Seelsorger wird ab 11 Uhr die Heilige Messe anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums leiten. Dabei werden dem Geistlichen, der zwischen 1988 und 1999 in Sulzbach und Neuweiler tätig war, sicherlich alte Weggefährten und Freunde begegnen. Die Kirchenchöre aus Sulzbach, Hühnerfeld und Neuweiler beteiligen sich an der festlichen Messe.


Franziskus ist im Ruhestand. Er wohnt im oberen Alt-Saarbrücken am Nussberg. „Saarbrücken liegt mir zu Füßen“, sagt er schmunzelnd über die Aussicht, die bis zum Kraftwerk Weiher in Quierschied reicht. Herrscht im Regionalverband irgendwo „Priesternot“, springt er für Messen immer wieder ein. In seinem rappelvollen Terminkalender stehen Messen von Klarenthal bis Sitterswald, von der Folsterhöhe bis nach Göttelborn, erzählt Franziskus beim Durchblättern.

Viele Freundschaften und Begegnungen habe es in den 50 Jahren seines seelsorgerischen Wirkens gegeben. Im Sulzbachtal ist Franziskus in guter Erinnerung geblieben, vor allem durch sein organisatorisches Talent. Als er 1988 die Pfarrgemeinden Sulzbach Allerheiligen und Neuweiler St. Hildegard übernahm, lag dort einiges im Argen. Die Kirche in der Salzstadt musste renoviert werden, und in Neuweiler waren 180 000 Mark an Schulden aufgelaufen.

Die Renovierung der Kirche in der Innenstadt sei in drei Bauabschnitten erfolgt. „Der erste war fundamental“, erinnert sich Franziskus. Gerade erst waren Kriegsschäden behoben worden, weitere Schäden entstanden durch eine Grubensenkung um rund acht Meter. Man ließ sich nicht beirren und richtete so einiges her: eine neue Heizungsanlage kam, eine Altarinsel, Fußböden in allen Fluren, die Sakristei wurde neu eingerichtet, die Türen wurden abgebeizt und neu gestrichen. Und dann brach ein Feuer an der Orgel aus, weil ein Schütz (Sicherung) nicht ausgelöst hatte. „Herr Pfarrer, Ihre Kirche brennt“, wurde er aus dem Schlaf geweckt. Durch das Feuer wurde der komplette Kirchenraum in Mitleidenschaft gezogen. Glück im Unglück: Durch den Brand als Versicherungsfall konnte ein neuer Anstrich erfolgen. Schließlich wurden alle Kirchenfenster neu verbleit und Scheiben im Originalton ersetzt.

Die Tilgung der Schulden im Neuweiler Kirchensäckel – damals saß Franziskus auch im Kirchensteuerrat des Bistums – konnte unter anderem durch glückliche Fügung und Haussammlungen innerhalb von nur zwei Jahren bewältigt werden. Diesem Erfolg schloss sich die Renovierung der örtlichen Kita für rund eine Million Mark an. Unter anderem wurde damals ein Gruppenraum eingerichtet.



Am ersten Adventssonntag 1999 wechselte Franziskus dann in die Basilika-Pfarrei in St. Wendel und in die Gemeinde Urweiler. Vor seiner Station in Sulzbach betreute er ab 1973 die Pfarrei St. Katharina in Wallerfangen. Eine sehr prägende Zeit sei dies gewesen, wie er sagt. Neben dem kompletten Umfang an pastoralen Diensten und der Beschäftigung mit den Problemen und Nöten der Menschen waren Wallfahrten und Pilgern ein großes Thema für ihn. Innerhalb von zehn Jahren pilgerte er mit einer Gruppe den kompletten Jakobsweg von Trier bis nach Santiago de Compostela in kleineren Abschnitten. Jeden Morgen gab es eine Meditation und in flacheren Abschnitten wurde der Rosenkranz gebetet. In der Kathedrale in Santiago angekommen, ließ man es sich nicht nehmen, einen mehrstrophigen Chorgesang anzustimmen.

Zwischen 2015 und 2017 war Franziskus Sprecher der Jakobusgesellschaft „Blies-Obere Saar“.

Natürlich gab es in den fünf Jahrzehnten seines Wirkens auch Konflikte, die Franziskus durchstehen musste. Immer an seiner Seite dabei: „Mein Chef“, wie er verschmitzt sagt. Mit seinem Wirken möchte er weitermachen, solange Gott ihm Gesundheit schenkt. Dabei spielt auch der Zweifel eine große Rolle. Diesen gelte es, ehrlich anzunehmen. „Wer nicht zweifelt, kommt dem Mysterium Gott nicht näher.“

Zweifel kommen ihm auch, wenn er an die angedachte Neustrukturierung der Pfarrgemeinden – die  „Pfarreien der Zukunft“ – denkt. Dabei ist unter anderem vorgesehen, dass der Priester rotierend Gottesdienste hält. „Man ist überall fremd“, befürchtet Franziskus. Früher konnte man immer als Ansprechpartner direkt vor Ort sein. So konnte man beispielsweise auch besser mit den Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Vortrefflich kann man auch über den Sinn des Lebens mit ihm sprechen. „Mit mehr Miteinander und Füreinander ist schon viel erreicht“, sagt er.

(bo)