| 20:32 Uhr

Personaluntergrenzen
Pflege-Verbände entsetzt über Krankenhaus-Pläne

Der Landespflegerat warnt davor, künftig deutlich mehr Hilfskräfte auf deutschen Krankenhaus-Stationen einzusetzen. Krankenkassen und Krankenhäuser planen, ein Drittel der Mindestbesetzung mit Hilfs- statt Fachkräften zu besetzen. (Symbolbild)
Der Landespflegerat warnt davor, künftig deutlich mehr Hilfskräfte auf deutschen Krankenhaus-Stationen einzusetzen. Krankenkassen und Krankenhäuser planen, ein Drittel der Mindestbesetzung mit Hilfs- statt Fachkräften zu besetzen. (Symbolbild) FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Saarbrücken. Auf deutschen Krankenhaus-Stationen könnten in Zukunft deutlich mehr Hilfskräfte zum Einsatz kommen. Das fürchten der Landespflegerat, ein Zusammenschluss aus elf Pflege-Fachverbänden, und die Gewerkschaft Verdi. Hintergrund ist der Auftrag des Gesetzgebers an die gesetzlichen Krankenkassen und die Krankenhäuser, bis zum 30. Juni 2018 Personaluntergrenzen für „pflegesensitive“ Bereiche auszuhandeln. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Auf deutschen Krankenhaus-Stationen könnten in Zukunft deutlich mehr Hilfskräfte zum Einsatz kommen. Das fürchten der Landespflegerat, ein Zusammenschluss aus elf Pflege-Fachverbänden, und die Gewerkschaft Verdi. Hintergrund ist der Auftrag des Gesetzgebers an die gesetzlichen Krankenkassen und die Krankenhäuser, bis zum 30. Juni 2018 Personaluntergrenzen für „pflegesensitive“ Bereiche auszuhandeln.


Bei einer öffentlichen Verdi-Anhörung wurde nun bekannt, dass sich beide Seiten darauf geeinigt haben, dass ein Drittel der Mindestbesetzung aus Hilfskräften statt aus examinierten Pflegekräften bestehen darf. „Wir sind geschockt über die Pläne zur Personalisierung der Krankenhäuser“, erklärte die Präsidentin des Landespflegerates, Ursula Hubertus. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die gesetzlichen Kassen hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und befänden sich in einem anderen Jahrhundert der Pflegepolitik. Fehlende Fachkräfte durch Hilfskräfte zu ersetzen, senke die Versorgungsqualität der Patienten, dies sei in mehreren Studien bewiesen worden.

Zuvor hatte bereits Verdi die Vereinbarung scharf kritisiert. „Die Beschäftigten in den Krankenhäusern gehen jeden Tag an die Grenze ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus. Sie erwarten mehr als Scheinlösungen“, so Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Der Bundesrat forderte gestern, dass Personaluntergrenzen für alle Stationen und Notaufnahmen sowie tagsüber und auch nachts gelten. Die Personalschlüssel dürften nur mit Fachpersonal erfüllt werden, nicht mit Auszubildenden oder Hilfskräften.