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Einst Hitlers Bollwerk, heute Heimat von Wildkatzen

Die Natur hat sich den Westwall, den Adolf Hitler ab 1936 errichten ließ, langsam wieder zurückerobert. Foto: Benjamin Rannenberg
Die Natur hat sich den Westwall, den Adolf Hitler ab 1936 errichten ließ, langsam wieder zurückerobert. Foto: Benjamin Rannenberg FOTO: Benjamin Rannenberg
St Ingbert. Umweltschützer und Historiker haben am Samstag in St. Ingbert die Ausstellung „Grüner Wall im Westen“ eröffnet. Der Bunker ist eine von rund 800 Verteidigungsanlagen, die in unserer Region noch an Kriegszeiten erinnern. Von SZ-MitarbeiterBenjamin Rannenberg

Wie ein grünes Band zieht sich der ehemalige Westwall von Nordrhein-Westfalen über Rheinland-Pfalz, das Saarland bis nach Baden-Württemberg. Längst hat sich die Natur die Bunkeranlagen, die einst ein Bollwerk bilden sollten, zurückerobert. Zu den bis heute intakt gebliebenen und für die Öffentlichkeit zugänglichen Westwallbunkern gehört der Betonbau im St. Ingberter Stadtteil Rentrisch.

Am Samstag eröffnete dort der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Rentrisch (HAK) zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Ausstellung "Grüner Wall im Westen". Zum ersten Mal wird die Ausstellung im Saarland gezeigt.

Zwischen 1936 und 1940 ließ Adolf Hitler entlang der früheren westdeutschen Reichsgrenze den Westwall errichten. So wurden insgesamt rund 17 000 Bunker, darunter etwa 4100 Bunker im Saarland, errichtet. Etwa 800 Betonbauten sind heute in unserer Region erhalten geblieben.

HAK-Chef Karl-Heinz Dewald erinnerte daran, dass die Hälfte des heutigen Saarlandes zur NS-Zeit von Westwallanlagen überzogen war. Ein Viertel des gesamten Westwalls habe sich im Saarland befunden, so Dewald. Der intakte Bunker in Rentrisch erinnere an den "wahnsinnigen Bau des Westwalls". Auch sei er ein Beispiel dafür, wie zur Zeit des Kalten Krieges die Bunkeranlagen für den Zivilschutz umgewandelt worden seien.

Die Geschäftsführerin des BUND Rheinland-Pfalz, Sabine Yacoub, sagte, sie freue sich, dass die von ihrem Landesverband konzipierte Ausstellung nun im Saarland gezeigt werde. "Wir haben versucht, in der Ausstellung alle Aspekte, auch den historischen Aspekt und die politische Bildung, zu integrieren", sagte Yacoub.

Auf fünf Aufstellern informiert die Ausstellung über den Westwall als Mahnmal, als Behausung für viele Pflanzen- und Tierarten und als Verbund von Lebensräumen. Mit ihr wolle man ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der ehemals kriegerische Westwall mittlerweile zum Mahnmal und zu einem wichtigen natürlichen Lebensraum geworden sei, erklärte Martin Lillig, Projektleiter beim BUND Saar. Beispielsweise lebten Fledermäuse und Wildkatzen in den zerstörten und intakten Bunkeranlagen. Gerade weil im Saarland die Dichte der Westwallbunker relativ hoch sei, eigneten sie sich ideal als "Trittsteine bei der Ausbreitung solcher Arten", so Lillig. Der BUND Saar fordere daher, alle Westwallanlagen in der Region unter Denkmalschutz zu stellen. Bisher seien nur die intakten geschützt. Um dies zu erreichen, müsse die Landesregierung das Denkmalschutzgesetz ändern.

Bis zum 2. August ist die Ausstellung geöffnet. Montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.