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Die Saarbrücker Stimme aus dem Dunklen

Saarbrücken. Menschen mit "normalem" Musikgeschmack werden diese Stimme nicht mögen. Wahrscheinlich haben sie sie aus dem Alltagskrach auch noch nicht herausgehört, obwohl "Legacy" ("Vermächtnis") in jedem gut sortierten Zeitschriftenladen im deutschsprachigen Raum liegt Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Saarbrücken. Menschen mit "normalem" Musikgeschmack werden diese Stimme nicht mögen. Wahrscheinlich haben sie sie aus dem Alltagskrach auch noch nicht herausgehört, obwohl "Legacy" ("Vermächtnis") in jedem gut sortierten Zeitschriftenladen im deutschsprachigen Raum liegt. "Legacy" ist vom Anspruch her "die Stimme von der dunklen Seite des Lebens", ein illustriertes Fachblatt für Leute, die extreme Rockmusik mögen: Deathmetal, Thrashmetal, Blackmetal und so weiter. So wie der Jäger "Jagd und Hund" verschlingt, zieht sich der Metaller die "Legacy" rein, eine Art Rottweiler unter den deutschsprachigen Musikzeitschriften, bullig-dick, wachsam, treu, aber nicht aggressiv-frech. "Legacy" ist schon zehn Jahre alt und von starker, kenntnisreicher Hand gut gezogen. Mit einer Auflage von 23- bis 26 000 Heften avancierte es hinter den Marktführern "Metal Hammer" und "Rock Hard" zum drittgrößten Metal-Rock-Magazin der Republik. In seiner Extrem-Nische ist es nach Worten seines Gründers, Herausgebers und Chefredakteurs Patric Knittel sogar europäischer Marktführer. Gerade ist Jubiläums-Heft 60 erschienen, ein extra-dickes Ding mit einem langhaarigen Mann vorn drauf, der sich anschickt, in eine schwarzweiße "Legacy"-Geburtstagstorte zu beißen. Wie man auf der Rückseite des Heftes erkennt, setzt er sich dann aber doch lieber hinein. Die prächtige Torte war übrigens vom Saarbrücker Konditor Schubert maßgemacht. Was ja auch nahe lag, denn "Legacy" ist ein Saarbrücker Kind, hier erfunden, aufgepäppelt, durch die Pubertät geleitet und zum Erfolgsprodukt entwickelt worden. Mastermind Knittel (37), der mit Frau und Kleinkind ein bürgerliches Leben in der Lessingstraße führt und kein Klischee vom wüsten Rocker oder umtriebigen Geschäftsmann bedient, hatte vor 20 Jahren als Gymnasiast Gefallen an der Metal-Musik gefunden und bastelte im Keller der Eltern ein erstes "Fanzine", also eine Mischung aus Fanheft und Magazin. Das Produkt, das großen Anklang fand, wurde von einem Verlag aufgesaugt, hieß zwischenzeitlich "Deftone", ehe es dann als das heutige "Legacy" etabliert wurde. Alle zwei Monate berichten Knittel und ein Team von etwa 40 meist freien Mitarbeitern aus der gesamten Republik über Gruppen, Konzerte und Veröffentlichungen aus dem Bereich der harten, düsteren Musik. Zum Standard des Heftes zählen mittlerweile auch CD- und Posterbeigaben. Die meisten Leser sind zwischen 17 und 37 Jahre alt."Legacy" wird nicht nur von Leidenschaft, sondern auch von kaufmännischer Vernunft getragen. Patric Knittel, längst vom aktiven Schreiber zum Organisator geworden, empfindet die 18 täglichen Arbeitsstunden aber nicht als Last. In diesen Tagen wuselt er durch Dessau, wo ab dem morgigen Mittwoch ein aufreibendes viertägiges "Legacy"-Festival steigt - eine weitere Stimme aus dem Dunkelfeld, die künftig regelmäßig aus sechs Ländern ertönen soll. Hauptquartier bleibt aber die aufgeräumte Wohnung am Rand der Saarbrücker City.