Drogenscanner: Wie sich moderne Drogen finden lassen

Drogenscanner : Wie sich moderne Drogen finden lassen

Die saarländischen Gefängnisse greifen nun auf Scanner zurück, die Substanzen erkennen können, bei denen Tests bisher versagten.

Ein Jahr lang nahm sich das rheinland-pfälzische Justizministerium Zeit, um bundesweit erstmalig in einem Gefängnis den Einsatz von Drogenscannern zu testen – und war mit den Ergebnissen zufrieden. So zufrieden, dass es das Projekt nicht nur auf alle eigenen Justizvollzugsanstalten (JVA) ausweitete, sondern im vergangenen Jahr auch den saarländischen Kollegen anbot, die Geräte gegen eine Gebühr zu nutzen. Die JVAs in Ottweiler und Saarbrücken haben davon bisher nur wenig Gebrauch gemacht, doch die Technik kann helfen, gefährliche Situationen in den Gefängnissen zu vermeiden.

Die Stärke der Scanner ist, dass sie moderne Drogen erkennen können, bei denen bisher übliche Schnelltests versagen. Die sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NpS) werden synthetisch hergestellt und können die Wirkung klassischer Rauschgifte nachahmen, wie das saarländische Justizministerium erklärt. Bei den zwei eingesetzten Geräten handele es sich um das Fabrikat Ionscan 600 des britischen Herstellers Smiths Detection. Sie kosten Rheinland-Pfalz je 1179 Euro Miete im Monat, für die Überprüfung einer Probe zahlt das Saarland 35 Euro.

Meistens handelt es sich bei den NpS um Flüssigkeiten – und genau darin liegt das Problem für die Gefängnisse. Präparierte Postkarten können ebenso in die Haftanstalten gelangen wie etwa Tabak oder Bindfäden, auf die die Flüssigdrogen geträufelt wurden. „Das ist in der Post für die JVA-Häftlinge gut zu verbergen“, sagt Stephan Laßotta von der saarländischen Landespolizei. Anschließend ist es laut Justizministerium möglich, die Rauschmittel zu schlucken oder zu rauchen. „Ihre Wirkungen können der von Cannabis, aber auch Amphetamin, Kokain oder Heroin ähnlich sein“, erklärt Pressesprecherin Sirin Özfirat. Allerdings sei die Konzentration sehr hoch, weshalb viel kleinere Mengen für einen vergleichbaren Effekt sorgten: „Wurden solche Einheiten früher in Gramm gemessen, bewegen wir uns heute im Mikrogrammbereich.“ Da es jedoch keinerlei Qualitätskontrollen gebe, sei vor der Einnahme weder die Art noch die Stärke der Wirkung vorhersagbar.

Die zwei Proben, die die saarländische Justiz bisher zur Überprüfung in die JVA Wittlich im benachbarten Bundesland schickte, waren negativ. Bisher spielten die NpS im Saarland noch keine große Rolle, daher komme die geringe Zahl der Einsendungen, erklärt das Justizministerium. Doch in rheinland-pfälzischen Gefängnissen sieht die Situation anders aus: Dort schlugen die Drogendetektoren zehn Mal an. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Mainzer Landtag hervor. Zudem können die Auswirkungen auf den Betrieb, die Mitarbeiter und Inhaftierten der JVAs drastisch sein: „Im saarländischen Justizvollzug wurden vereinzelt plötzlich auftretende Gewaltbereitschaft, drogeninduzierte schwere psychotische Störungen und massive Aggressivität festgestellt“, teilt das Justizministerium mit. In anderen Bundesländern sei es im Zusammenhang mit NpS sogar schon zu Todesfällen gekommen.

„Auch wenn wir bisher noch nicht so oft Gebrauch von den Scanner gemacht haben, bin ich sehr froh, dass wir diese Möglichkeit haben“, sagt Marco Bauer, Leiter der JVA Ottweiler. Ob es mit den NpS im Saarland in Zukunft mehr Probleme geben werde, sei schwer zu beurteilen. Doch klar ist: Die Drogen sind verfügbar, denn sie lassen sich über das Internet bestellen, bestätigt die Polizei.