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Kolumne
Wenn die Nase einfach nicht gehorchen will

Kommentarkopf Ulrike Paulmann
Kommentarkopf Ulrike Paulmann FOTO: SZ / Robby Lorenz
Den vielfältigen vorweihnachtlichen Einkaufsverlockungen zu widerstehen, ist alles andere als einfach. Auch wenn man es sich ganz fest vorgenommen hat. Von Ulrike Paulmann

Weihnachten naht, Geschenke müssen her. Und wenn wir auch mit den meisten lieben Mitmenschen ein „Nichts-Schenken-Abkommen“ geschlossen haben: Kleinigkeiten, die so genannten „Nicht-Geschenke“ (über die man sich dann doch, ganz überraschend, ziemlich freut), sollten zur Verfügung stehen. Ebenso wie Präsente für die Kinder. Die akzeptieren nämlich solche Erwachsenen-Vereinbarungen nicht. Und weil’s wichtig ist, den heimischen Handel zu unterstützen, geht’s an einem freien Tag zu Fuß von einem Laden in den nächsten.


Aus leidvoller Erfahrung gibt es dabei einen festen Vorsatz: Ich will bei meiner alljährlich wiederkehrenden Tour den manngifaltigen Versuchungen endlich mal widerstehen. Derer gibt es viele in Geschäften, wie ich immer wieder mit großem Interesse lese: Von der richtigen Temperatur über das passende Licht über die optimale Gangbreite bis zur cleveren Platzierung der Artikel – alles kann dazu beitragen, dass man plötzlich doch mehr oder ganz andere Sachen kauft, als man wollte.

Mit diesen Erkenntnissen gewappnet, ziehe ich in den Einkaufsmarathon. Rote Preise? Weihnachtsdudel-Musik? Ach Quatsch, ich bin immun, meine Augen und Ohren widerstehen. Zielstrebig arbeite ich meinen Plan ab. Stunde um Stunde, die Taschen werden schwerer, die Arme länger. Ich bin stolz auf mich, als ich mich auf den Heimweg mache, fühle mich wie ein Läufer kurz vor der Zielgeraden. Alle Sinne unter Kontrolle!



Denkste. Denn da passiert es. Müde schlurfe ich durch die zugige Gasse, als unvermittelt ein fruchtig-zimtiger Duft aus einem (natürlich wohl temperierten) Laden dringt. Was zuvor keine Parfümerie und kein Kaffeeladen schaffte, gelingt diesem kleinen Geschäft im Eiltempo: Die Schwaden vorweihnachtlichen Wohlgeruchs überfallen mich geradezu. Magisch angezogen folge ich, husch, über die Schwelle, ran an die Theke. Schneller als ich denken kann, wandern zu viele Teepäckchen ins Gepäck. Und ein Tässchen des köstlichen Heißgetränks in meinen Mund. Dafür leert sich der Geldbeutel einmal mehr.

Erst draußen, zurück in der Kälte, komme ich wieder zur Besinnung. Nüchterne Erkenntnis: Meine Nase hat sich, trotz strikten Verbots, einfach so verführen lassen. Also, Vorhaben (wieder einmal) gescheitert? Ja und nein. Wenn ich daheim in meinem Sessel sitze, mit einer Tasse Tee in der Hand, dann bin ich meinem Riechkolben für seine Inkonsequenz sehr dankbar. Und was mir selbst solchen Genuss bereitet, eignet sich ja auch ganz wunderbar als „Nicht-Geschenk“. Genug Packungen habe ich nun ja . . .