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Die Kegel-Ära ist zu Ende

Seit Ende Februar sind die Kegelbahnen bereits geschlossen. Für den SZ-Fotografen hat Jürgen Ehlen, Geschäftsführer des Turnvereins Völklingen, noch einmal die Tür geöffnet. Foto: Jenal
Seit Ende Februar sind die Kegelbahnen bereits geschlossen. Für den SZ-Fotografen hat Jürgen Ehlen, Geschäftsführer des Turnvereins Völklingen, noch einmal die Tür geöffnet. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Völklingen. Vier Kegelbahnen, wettbewerbstauglich, hatte der Turnverein Völklingen bisher im Keller der vereinseigenen Halle. Sie rechnen sich nicht mehr – jetzt investiert der Verein in einen neuen Gymnastiksaal. Peter Wagner

Kein Platz für Sentimentalitäten, der Völklinger Turnvereins-Präsident Hans Netzer gibt sich entschlossen, wenn er mit Fingerzeigen am langen Arm die Zukunft der Kegelbahnen in der Turnhalle des Vereins beschreibt: Da hinten kommen die Fensterreihen hin, und dort der Boden raus. Und wo jetzt die hölzernen Aufenthaltsboxen stehen, könnte man noch einen Kraftraum bauen.

Kurz gesagt: Nach 30 Jahren ist Schluss mit den vier Bundeskegelbahnen im Untergeschoss der vereinseigenen Halle. Sie strahlen eher nostalgische Kelleratmosphäre als den Charme der Moderne aus, wären aber eigentlich noch sehr gut geeignet gewesen für Wettkämpfer und Hobbysportler; die Elektronik ist nämlich erst vor sieben Jahren erneuert worden. Allein, diese Sportanlage rechnet sich für den Verein nicht mehr, die Kosten für Heizung und Pflege übersteigen bereits im dritten Jahr deutlich die Erlöse. Hans Netzer berichtet, dass die Bahnen nur noch etwa 15 Prozent der ursprünglichen Nutzung erführen und deshalb nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien.

Da der Verein gleichzeitig dringend Raum für diverse andere Sportangebote benötige, habe man sich im Vorstand einstimmig darauf verständigt, die Kegelbahn aufzugeben. Und weil sich keiner finde, der die Anlage kaufen wolle, werde sie herausgerissen und verschrottet. Lediglich für die Elektronik habe man einen Interessenten gefunden, die Kugeln spende man an eine soziale Einrichtung.

Und was kommt neu? Wie Hans Netzer ankündigt, werde man für 300 000 Euro einen variablen Gymnastikraum mit Fußbodenheizung, Schallschutz und Tageslicht bauen. Alles in allem 36 mal 18 Meter groß, Raumhöhe 3,20 Meter. Bis Oktober sei alles fertig.

Beim Deutsche Schere-Keglerverband (DSKB) Saar schaut man derweil mit Unbehagen auf die sinkende Zahl von Sportstätten, nicht nur in Völklingen . Kürzlich erhielten etwa die Kegler aus Lebach von ihrem langjährigen Verpächter die Kündigung. Sie müssen nun zusehen, dass sie in Nachbarorten unterschlüpfen. Landesvorsitzender Johannes Wirth (Losheim am See) berichtet nüchtern, dass das Kegeln halt nicht die Lobby des Fußballs habe. Dieser Sport erhalte von den Kommunen kein Geld.