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Von Oberthal ins KZ Buchenwald

Völklingen. Günther Ruschel hat mit einem Dokumentarfilm Johann Becker, einem Kommunisten aus Oberthal, ein Denkmal gesetzt. Den Streifen, der bereits auf internationalen Wettbewerben vorgestellt wurde, zeigte der Neunkircher jetzt im Völklinger Kulturcafé 8bar vor fast vollem Haus. Andreas Lang

Die extra aufgestellten Stühle im Völklinger Café 8 bar waren beim Filmabend am Freitag fast alle besetzt. Denn Frauen und Männer aus allen Altersschichten interessierten sich für einen Dokumentarfilm, der das Leben des Oberthaler Kommunisten Johann Becker während und nach der Nazi-Zeit in Szene setzt. Zehn Jahre, von 1999 bis 2009, hat der Neunkircher Filmemacher Günther Ruschel an seinem Werk gearbeitet. "Mit dem Film habe ich an internationalen Wettbewerben teilgenommen, unter anderem in Sankt Sebastian ", berichtet er.

Dass er den inzwischen auf DVD verfügbaren Streifen jetzt wieder zeigt, hat Gründe: "Das Ende des Zweiten Weltkrieges jährt sich dieses Jahr zum 70. Mal und damit auch die Befreiung Beckers aus dem Konzentrationslager ", sagt Ruschel, "außerdem hat es Sabine Geiter als Inhaberin dieses wertvollen Kultur-Cafés verdient, dass der Film hier gezeigt wird."

Die Verbindung zum Anfang der 1970er Jahre verstorbenen Becker, in Oberthal auch als "Kress Johann" bekannt, begann in Kindheitstagen. Vater Ruschel, erkrankt, sah sich kurz vor Weihnachten 1959 nicht in der Lage, einen Christbaum zu organisieren. Sohn Günther organisierte auf eigene Faust, würde aber mit dem Beil in der Hand von Becker im Wald erwischt - und mit der Warnung vor dem Förster nach Hause geschickt. "Pünktlich am 24. Dezember stand dennoch ein stattlicher Baum an unserer Haustür", erinnert sich Ruschel bis heute. Da nur Johann Becker vom Baum-Wunsch wusste, konnte nur er ihn dort abgestellt haben, vermutet der Filmmacher.

Die Geschichte, die er selbst von der Begegnung in Erinnerung behielt, passt zu den Informationen, die er vier Jahrzehnte später bei seinen Recherchen gesammelt hat. Der Filmautor Ruschel zitiert Autor Ernst Wiechert, der Becker im Konzentrationslager Buchenwald kennengelernt hat, bei der Beschreibung von Becker: "Ein einfacher Arbeiter, riesig gewachsen, rau in Wort und Gebärde."

Becker gehörte - unfreiwillig - zu den Erbauern von Buchenwald. Den Kommunisten machte man dort zum Kapo, zu dem so genannten Baracken-Ältesten, den die SS für alles, was sich in seinem Bereich abspielte, verantwortlich machte. Aber Becker habe seine Leute geschützt, Strafen auf sich genommen. Oft genug sei er deswegen auf den berüchtigten Bock gelegt und ausgepeitscht worden. Auf seinem Rücken habe sich Narbe an Narbe gereiht, sagte sein Hausarzt Dr. Hermann Josef Steffens aus Oberthal in einem Interview.

Was Ruschel bis heute erschüttert, ist, dass Becker auch nach seiner Befreiung und der Rückkehr nach Oberthal noch zu leiden hatte: "Er wurde geschnitten, unter anderem hat man ihn vorwurfsvoll gefragt, warum er nicht im Krieg gewesen sei."