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Vier Jahre Haft für Ex-Seelsorger aus Mettlach

Wegen sexuellen Missbrauchs : Vier Jahre Haft für Ex-Seelsorger aus Mettlach

Im mutmaßlichen Missbrauchsskandal, der sich bei der sektenähnlichen Glaubensgemeinschaft „Gemeinde ohne Mauern“ im Mettlacher Ortsteil Wehingen abgespielt haben soll, hat die große Jugendkammer des Landgerichts Saarbrücken jetzt ein Urteil gesprochen.

Der „Jugendpastor“ der Gemeinde, ein 48 Jahre alter Mann mit Adresse in Dillingen, muss für vier Jahre ins Gefängnis, sofern der Richterspruch rechtskräftig wird. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Emanuel kam nach mehrtägiger Verhandlung zu dem Ergebnis, dass der Seelsorger des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 52 Fällen schuldig ist.

Ursprünglich waren 54 Missbrauchsfälle angeklagt. Staatsanwalt Daniel Schneider beantragte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten.

Seit 2007 war „Jugendpastor“ G. Mitglied der Stiftung „Gemeinde ohne Mauern“, einer sektenähnlichen Glaubensgemeinschaft. 2018 wurde er fristlos entlassen. Auf Druck der Gemeinde hat er sich selbst angezeigt. Wie die Ermittlungen zeigten, kümmerte er sich mit dem Segen der Erziehungsberechtigten neben der religiösen Ausbildung auch um die sexuelle Aufklärung junger weiblicher Gemeindemitglieder. In der Anklageschrift heißt es, dieser Aufgabe habe er sich „besonders intensiv gewidmet“. Unter dem Deckmantel der religiösen Erziehung habe der Mann von 2013 bis 2018 14- oder 15-jährige Mädchen dazu gebracht, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen, oder er habe solche an den Mädchen vollzogen, etwa diese an den Brüsten berührt oder im unbekleideten Intimbereich manipuliert. In etwa 50 Fällen, so die Anklage, sollen damals 16 und 17 Jahre alte Mädchen missbraucht worden sein, ohne dass es zum Geschlechtsverkehr kam. Teilweise soll er erklärt haben, diese Berührungen seien zur Linderung körperlicher Beschwerden oder im Rahmen von „Heilungsprozessen“ notwendig.

Der Skandal um den „Jugendseelsorger“ war letztlich auch Auslöser der Insolvenz der Stiftung „Gemeinde ohne Mauern“. Die Stiftung finanzierte sich vorwiegend über Spenden ihrer Mitglieder. Diese blieben nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Seelsorger weitgehend aus, so dass die Glaubensgemeinschaft in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Ihr Hotel und Tagungszentrum „His Place“ wurde zwischenzeitlich von Insolvenzverwalter Marc Herbert verwertet.