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Theater-Fassung des Buches Vagina-Monologe in Saarbrücker Stadtgalerie

„V-Day“ : „Die Vagina-Monologe“: Premiere in der Stadtgalerie

Bei der Theater-Fassung des Buches von Eve Ensler schicken drei Frauen die Zuschauer in Saarbrücken durch ein Wechselbad der Gefühle.

Wenn am 14. Februar vom „V-Day“ die Rede ist, meinen die meisten Menschen wohl den Valentinstag. Seit 1998 kann damit aber noch etwas ganz anderes gemeint sein. Nämlich der „V(agina) DAY“, ein Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, initiiert von Eve Ensler, Autorin des Buches „Die Vagina-Monologe“. Vielerorts wird die Theater-Fassung der Vagina-Monologe am oder um den 14. Februar aufgeführt. In diesem Jahr ist auch Saarbrücken zu den „vagina-freundlichen Städten“, wie Eve Ensler sie nennt, geworden. Auch hier wurde das Stück gespielt.

Inszeniert wurde es von Eveline Sebaa, allerdings nicht in einem klassischen Theaterkontext. Gespielt wurde in der Stadtgalerie Saarbrücken. Die Räumlichkeiten, die im letzten Jahr noch die feministische Ausstellung „In the Cut“ beherbergten, haben „gut zu meiner Idee gepasst“, seien „der richtige Ort dafür“ gewesen, erzählt Sebaa. Außerdem wollte sie nichts „Konventionelles machen, ein anderes Publikum anlocken“, sagt sie.

Ein Vorhaben, das geglückt ist. Bei der Premiere in der Stadtgalerie am vergangenen Freitagabend platzt der Zuschauerraum aus allen Nähten, manche müssen sogar stehen. 100 Karten gab es. Alle weg. Auch die zweite Vorstellung am Samstagabend ist ausverkauft. Das Publikum – bunt gemischt. Jung, alt, klassische Theatergänger, Akteure der freien Szene, Feministinnen, Akademiker, viele Frauen und ja, sogar ein paar Männer haben sich eingefunden, um gut 90 Minuten ihre volle Aufmerksamkeit einem einzigen Thema zu widmen. Der Vagina.

Im Allgemeinen kommt der ja im Alltag nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu. Allein das Wort Vagina scheint so etwas wie ein Unwort, unaussprechbar zu sein. Die Vagina, darüber spricht man nicht. Obwohl „Frauen es insgeheim lieben, über ihre Vagina zu sprechen“, so die Annahme Enslers. Daher begann sie 1996 mit mehr als 200 Frauen Gespräche über just dieses Thema zu führen: die Vagina. Das Frau-Sein. Sexualität. Sorgen, Themen, Probleme.

Wenn Sebaa, die nicht nur Regie führt, sondern auch mitspielt, Bérengère Brulebois und Simone Hoffmann in Saarbrücken also die Bühne betreten und in vielen kleinen Monologen über die Vagina sprechen, dann sind das echte Gedanken von echten Frauen, irgendwo auf der Welt. Dabei schlüpfen sie in die Rolle von Frauen, die erst mit 72 ihre Klitoris entdecken oder Ehefrauen, denen der Paartherapeut anrät, sich doch bitteschön dem Willen des Ehemanns zu beugen und sich zu rasieren, schließlich sei die „Ehe ein Kompromiss“.

Es ist ein Stück, das den Zuschauer durch ein Wechselbad der Gefühle schickt. Wenn Sebaa, Brulebois und Hoffmann im Chor verschiedene Arten zu stöhnen, darunter das „dreifache Orgasmus-Stöhnen“ und „das Uni-Stöhnen“ zum Besten geben, erreicht die Komik sicherlich ihren Höhepunkt. Als Sebaa dann allerdings in die Rolle einer Frau schlüpft, die während des Bosnien-Kriegs vergewaltigt wurde, die erzählt, „wie Soldaten ein Gewehr in mich steckten, das mein Herz abgeschaltet hat“, lacht niemand mehr. Nur ein schweres Schlucken ist zu hören. So auch als von den vielen Frauen weltweit erzählt wird, die Opfer von Genitalverstümmlung werden.

Wer beim entsprechenden Monolog nicht ganz mitkommt, kann die Zahlen als Projektion an den Wänden nachlesen. Wenn Bérengére Brulebois detailreich und durchaus unbequem von einer Geburt erzählt, zeigen die Bilder an den Wänden etwas, das an das Innere des Uterus erinnert. Für diese Videoprojektionen hat Sebaa Krischan Kriesten ins Boot geholt. Sie verleihen dem Raum eine Atmosphäre, in der man sich verliert, überwältigt wird, sich ganz dem Thema Vagina hingibt.

1996 hatte Enslers Stück in New York Premiere. Das ist rund 24 Jahre her. „Und trotzdem ist das Stück noch heute so unfassbar aktuell“, bemerkt eine Besucherin. Die deutsche Ausgabe der „Vagina Monologe“ kann man aktuell nicht erstehen, sie ist schon länger vergriffen, wie Sebaa nach der Vorstellung verrät. Man kann nur hoffen, dass solch gelungene Inszenierungen des Stückes, wie am Wochenende in Saarbrücken, genügend Anreiz für einen Neudruck liefern.